Montag, 17. September 2018

Einige Meme

Inspiriert durch die berühmten Lolcats wie auch einige andere Meme, habe ich nun selbst welche konstruiert. Enjoy.














Montag, 2. Juli 2018

China ist nicht aufzuhalten


Es ist in der westlichen Welt mal wieder übersehen, wenn nicht gar gezielt ignoriert worden: China hat den Konflikt um die umstrittenen Spratly- und Paracel-Inseln gewonnen und zwar, indem es Fakten geschaffen hat.

Die Gründe für diesen kampflosen Sieg zeigen die Weitsicht der chinesischen Führung: Bei der Aufschüttung des Yangshan-Hafens vor Shanghai hat man seit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrungen damit gesammelt, grosse Strukturen im Meer zu erschaffen und diese Erfahrung hat man dann auf den genannten Inseln angewendet, um aus dem Nichts Flugfelder zu bauen. Auf denen wiederum sind seit Kurzem Bomber stationiert vom Typ „Xian H-6“, diese Maschinen können sowohl Atomwaffen tragen als auch Antischiffs-Lenkflugkörper, d.h., jedes beliebige Ziel zu Wasser und zu Lande vernichten. Mit ihrer Reichweite von 5'800 Kilometern können sie ein Gebiet bedrohen, das grösser ist als die Eroberungen der Japaner im Zweiten Weltkrieg.
Flugzeugplattformen im Ozean... In Europa ist das nur eine alte Fantasie aus dem 1930er-Film „FP 1 antwortet nicht“, aber China hat es in der Wirklichkeit geschafft.

Das heisst mit anderen Worten, kein einziger unter den übrigen Anrainerstaaten des Pazifiks kann es jetzt noch wagen, China den Besitz dieser Inseln streitig zu machen und in einer Generation wird man sich daran gewöhnt haben. Bei den deutschen 68ern war „die normative Kraft des Faktischen“ nur eine leere Floskel, hier ist sie Realität. Das funktioniert, weil die ganze Aktion über drei Führungsgenerationen hinweg, von Jiang Zemin über Hu Jintao bis zu Xi Jinping, mit aller Entschlossenheit durchgezogen wurde. Welches Land der westlichen Welt kann so etwas von sich behaupten?

Parallel dazu ist es eine Binsenweisheit, dass Donald Trump die USA schwächt, anstatt sie „great“ zu machen. Präsident Xi hat persönlich nichts gegen die Amerikaner, aber wenn der einzige Rivale, den er auf dem Planeten noch hat, sich selbst von innen heraus zerstört, dann wird Xi die Vorteile, die sich daraus für China ergeben, selbstverständlich ausnutzen. Er müsste ja auch wahnsinnig sein, wenn er es nicht täte.

Was soll eine solche Nation aufhalten?

Die Frage ist nicht nur rhetorisch, sie ist für die gesamte Menschheit schicksalsentscheidend: Wird China es schaffen, die Welt des 21. Jahrhunderts zu beherrschen oder nicht? Und wenn nicht, was kommt statt dessen auf uns zu?
Hat jemand eine Idee?



Montag, 12. März 2018

Chinas nächste Schritte


Diese Schritte sind beachtenswert, denn sie haben in nur wenigen Wochen erstaunliche Veränderungen hervorgebracht.

a) Chinesische Forscher haben zwei Menschenaffen geklont. So etwas ist schon an und für sich ein Meisterwerk, darüber hinaus sind es eben Chinesen und keine Westler, die das geschafft haben und das sollte doch reichen, um eben jenen „neuen Sputnikschock“ hervorzurufen, der in den Leitartikeln westlicher Zeitungen beschworen wurde.
Ironischerweise scheint es diesen Schock aber nicht zu geben. Menschenaffen, unsere nächsten Verwandten! Das ist viel radikaler als 1996 das Schaf Dolly und doch herrscht Stille in der öffentlichen Meinung, keine Empörungsrituale von westlichen Politikern oder westlichen Kirchen sind zu vernehmen.
Der Grund ist simpel: Die damals so heftigst Empörten wissen, dass sie den Chinesen nichts verbieten können, sondern sie höchstens verärgern und halten deswegen still.

Es ist natürlich auch kein Zufall, dass diese Nachricht während des Weltwirtschaftsgipfels in Davos bekannt gemacht wurde und ich kann mich nur wieder einmal vor der Volksrepublik verbeugen, sowohl in Anerkennung der wissenschaftlichen und technischen Leistung wie auch des perfekten strategischen Timings.


b) Xi Jinping hat es geschafft, die Begrenzung seiner Amtszeit offiziell aufheben zu lassen, so dass er auf Lebenszeit regieren wird und spiegel.de behauptete allen Ernstes, dass dieser Schritt „die meisten China-Kenner“ überrascht hätte.
Mich, den Amateur, hat er nicht überrascht, denn das neue chinesische Kaiserreich habe ich ja schon vor Jahren vorausgesagt und da ist eine lebenslange Herrschaft nur ein logischer Schritt; dass die genuin menschliche Gier nach „immer mehr“ auch in den Erben Deng Xiaopings lebt, hielt ich für so selbstverständlich, dass ich es nicht erwähnte.
Gar nicht davon zu reden, dass diese Entwicklung auch in dem Roman „Feuerhölle“ von Dale Brown vorhergesagt wurde, der chinesische Politiker, der sich dort am Ende an den Zigaretten seines entmachteten Vorgängers bedient, erscheint als Verkörperung Xis und angesichts der Vielfalt der Publikationen ist das wohl kaum die einzige Vorhersage dieser Art. Nur die deutsche Journaille will es mal wieder nicht lernen.

Ob Xis Dauerherrschaft für China gesund ist, ist dagegen eine Frage, die sich derzeit nicht beantworten lässt. Man wird abwarten müssen, ob er sich als ein neuer Mao entpuppt oder einer der Vernünftigen unter den Kaisern ist. Das wird noch dadurch kompliziert, dass er sich ja mit zunehmendem Lebensalter verändert wie jeder Mensch, so könnte er etwa altersmilde werden und bereuen, dass er Leute hinrichten liess oder einen Altersstarrsinn entwickeln mit dem Wunsch, noch mehr Leute umzubringen oder irgend etwas dazwischen.
Dass er ausserdem nach Unsterblichkeit strebt, ist selbstverständlich und im Gegensatz zu den alten Kaisern könnte er sie bekommen, siehe die moderne Biotechnik. Dann wäre er der „Ewige Imperator“ aus den Sten-Chroniken, also eine weitere Wahrheit gewordene Sci-Fi-Idee.


c) Dann ist da die gerade erfolgte Unterwerfung westlicher Digitalkonzerne, die ihre moralischen Ansprüche in den Müll geworfen haben, um auf dem chinesischen Markt dabei sein zu dürfen und von chinesischer KI-Forschung zu profitieren – nachzulesen in der „Wirtschaftswoche“. Damit ist klar, dass der Westen seine technische Überlegenheit verspielt hat.
Oder vielleicht sollte ich sagen: Für mich ist das klar, meine Landsleute, so fürchte ich, werden es erst merken, wenn ihnen das chinesische System im Alltagsleben aufgezwungen wird. Wenn ihnen wegen ihrer Schulden die Benutzung von Flugzeugen verwehrt wird und was der „Social Score“ im Reich der Mitte noch alles bewirkt.

Der Gedanke, dass Schuldenmacher bestraft werden, ist mir übrigens sympathisch. Keine Flugreisen mehr machen dürfen, keine Schnellzüge mehr benutzen und keine neuen Kredite bekommen, das würde ich gerne auch vielen Lumpen hierzulande verordnen.

Natürlich brechen die Moralisten nun wieder in ihr „Grosses Heul- und Empörungsritual“ aus und schreien, dass es mich doch auch treffen würde und dass ich das doch bedenken müsste.
Das habe ich bereits getan, ihr Spinner. Schon vor Jahren bin ich mir darüber klar geworden, dass diese Entwicklung niemanden verschont und zu allem Überfluss habe ich das in meinem vorherigen Blogartikel noch einmal ausdrücklich geschrieben.
Im Gegensatz zu euch arbeite ich jedoch daran, die Entwicklung zu verstehen und mich daran anzupassen.





Dienstag, 9. Januar 2018

Zwischenbilanz zur Machtstellung Rotchinas

Die technische Überlegenheit Chinas gegenüber dem Westen ist in 2017 mehrfach thematisiert worden, aber das scheint bei der breiten Masse nicht anzukommen. China kauft weiterhin alles, was nicht schnell genug wegrennt und das sehen die Leute schon eher, aber sie begreifen die Folgen nicht: Dass China in seinem rasanten Vorwärtsstürmen permanent Wissen ansammelt, permanent Erfahrungen macht, gute wie schlechte und alle diese Erfahrungen in zusätzliches Wissen verwandelt, Wissen und seine Anwendung.

Man kann auch sagen, China hat die Evolution auf ihre maximale Geschwindigkeit gebracht. Das beste Symbol dafür ist die Liste der Top-500-Supercomputer, die für immer unangefochten von China angeführt wird und deren neuester Spitzenreiter, der Tianhe-3, im Frühjahr 2018 in Betrieb geht. Er bewegt sich in einer Dimension, die buchstäblich keine Konkurrenz mehr kennt, schon gar nicht im Westen, wo man keine grössere Sorge kennt als sich über irgendwelche Tweets von Donald Trump aufzuregen.

Ein anderes Beispiel der chinesischen Macht: Wie wir alle sehen können und doch kaum einer sehen will, verlaufen Wirtschaftsgipfel wie die der G 20 in China ohne jede Störung durch sogenannte Globalisierungsgegner. Warum? Weil diese Gegner genau wissen, dass man sie in China nicht so verhätscheln würde wie in Europa, sondern sie in den Knast stecken oder gar nicht erst ins Land lassen.

Quasi nebenbei wurde kürzlich festgestellt, dass diese Machtstellung auch schon gereicht hat, um die EU zu unterwerfen (http://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/linde-hydraulics-gibt-china-den-befehl-zum-geldausgeben-gibt-es-kein-zurueck/20806668-all.html): Ein Fingerschnippen aus Beijing und eine EU-Resolution zum Thema Menschenrechte wanderte in den Papierkorb. Das ist imperiale Macht wie aus dem Lehrbuch und „nur“ die Dimensionen sind heute grösser als jemals zuvor, wenn man einer politischen Struktur auf der anderen Seite der Erde nach Lust und Laune Befehle erteilen kann.
Ein Vergleich zu früheren Zeiten: Als im 16. Jahrhundert der damalige König von Spanien einen seiner Leute nach Amerika schickte, um in den damaligen Kolonien irgendeinen Auftrag auszuführen, dann konnte dieser Beauftragte nur per Segelschiff reisen, was mehrere Wochen dauerte und noch froh sein, wenn eine Seekrankheit das Schlimmste war, was er erlebte, die tatsächliche Umsetzung der Befehle vor Ort dauerte Monate oder gar Jahre und man wusste nicht, wie zuverlässig sie war. Heute dagegen wird ein Befehl aus Beijing binnen Sekunden nach Europa übermittelt und auf eine schnelle und exakte Ausführung kann man sich verlassen.
Auch das wurde übrigens schon vor Jahren vorausgesagt, nämlich von Harro von Senger in dem Buch „Molüe – Supraplanung“ mit den Worten „Lockere EU versus recht kompakte VR China“ und heute kann sich dieser Mann auf die Schulter klopfen, denn er hat in vollem Umfang recht behalten.

Dies also die Situation, der wir zu Anfang des Jahres 2018 gegenüber stehen. Was wird nun daraus werden?

China will die Welt.
Es will natürlich auch den Rest des Universums, aber belassen wir es vorerst bei jenem Zwischenschritt, den man allgemein als „Weltherrschaft“ bezeichnet, also politische Kontrolle über jeden Quadratmeter der Erdoberfläche und der Vollständigkeit halber auch über jeden Quadratmeter Meeresboden.
Übertreibung? Nein, offiziell verkündetes Ziel der chinesischen Regierung. Zuletzt konnte man in der deutschen „Wired“, Ausgabe 04/17, lesen, dass China im Juli 2017 noch einmal ausdrücklich gesagt hat, wie die Ziele beim Thema Künstliche Intelligenz aussehen, nämlich bis 2020 mit den USA gleichziehen, sie bis 2025 überholen und 2030 weltweit die Kontrolle haben. Und wem das nicht mächtig genug erscheint, der möge bitte bedenken, dass in unserer digitalisierten Welt KI die absolute Macht bedeutet, erst recht in Kombination damit, dass gleichzeitig das Aufkaufen westlicher Firmen, westlicher Infrastruktur, westlicher Immobilien hemmungslos weitergeht.

Die Frage, ob irgend eine andere Macht China aufhalten könnte, ist überflüssig, denn eine solche Macht gibt es nicht. Europa ist ein Kontinent der Versager, die sich nur noch einer Illusion von Macht hingeben, indem sie irgendwelche Extremisten wählen, ohne zu verstehen, dass auch diese den Befehlen aus Beijing gehorchen und die „Führungsmacht“ USA hat den schlimmstmöglichen Idioten an die Spitze gesetzt, der weder führen kann noch ein politisches Programm hat, sondern nur Hasspredigten in Kurzform von sich gibt. Wer soll das ernst nehmen?

Angesichts von so viel Dummheit könnte China als „Retter in der Not“ erscheinen. Ist es das auch?
Nein. Es ist ein Imperium und handelt imperial, also absolut skrupellos. Anders ausgedrückt, es rettet uns, wenn überhaupt, nicht aus Mitgefühl, sondern nur, weil es uns noch brauchen kann.

Gleichzeitig kann ich ein Gefühl der Bewunderung für China nicht leugnen. Es ist etwa so, wie früher die von Rom unterworfenen Völker die Überlegenheit des Imperiums anerkannten oder die Sachsen die Überlegenheit des fränkischen Reiches.
Es sieht aus, als wäre ein Kampf gegen Rotchina nur Zeitverschwendung, Unterwerfung unter dieses Reich dagegen ein Gebot der Vernunft.

Also „ni men hao“ - schönen guten Tag, die neuen Kaiser? Ich weiss es nicht und das ist kein Scherz. Ich weiss wirklich nicht, ob das der beste Weg ist oder ob es der einzige ist.
Warum diese Zweifel? Nun, die Geschichte lehrt uns, dass die Dinge nie so glatt laufen, wie man sie sich vorstellt, denn es gibt immer irgend etwas, das man übersieht. Würde China z.B. von einem Meteoriten getroffen, dann wäre es mit seiner Expansion erst einmal vorbei, ohne dass der Westen sich das als Verdienst anrechnen dürfte.
Oder: Die alten Römer glaubten an ein „imperium sine fine“, ein Reich ohne Ende, aber dann wurden sie von einem Geburtenrückgang getroffen, der ihre Reihen ausdünnte und ihrer Expansion auch ohne Naturkatastrophen ein Ende setzte.

Das Beste also, was wir Westler uns erhoffen können, ist ein Status als Juniorpartner der unbesiegbaren Chinesen und wir müssen dabei stets im Hinterkopf behalten, dass von einem „Ende der Geschichte“ nicht die Rede sein kann, sondern immer wieder Veränderungen drohen.

Was heisst das für die Praxis?
Finde heraus, wofür sie DICH brauchen. Finde heraus, welche Bedürfnisse die Chinesen antreiben und was du noch lernen musst, um diese Bedürfnisse zu erfüllen.



Dienstag, 8. August 2017

Die Digitalisierung nach Shakespeare – Erleben und Erleiden des Unkontrollierbaren

Alle Zitate nach der Übersetzung von Dorothea Tieck, frühes 19. Jahrhundert.

Es wird grossen Schriftstellern nachgesagt, dass sie zeitlos wären und uns auch in einer digitalisierten Welt immer noch etwas zu sagen hätten. Wir wollen dies heute an einem Werk Shakespeares betrachten: „Macbeth“.

Ich hielt den Untergang dieses Königs zuerst für ein Beispiel von „information overload“, aber dann wurde mir klar, dass die Sache ein wenig komplexer ist. Also:
Der Protagonist und seine dämonische Lady häufen Mord auf Mord und Verrat auf Verrat, verbreiten „Fake News“, was das Zeug hält, kurzum, sind Gegner, mit denen man sich lieber nicht anlegt – sollte an meinen.
Statt dessen passiert das Gegenteil, was auch immer die Usurpatoren tun, um ihre Macht zu sichern, schafft ihnen immer nur neue Feinde und neue Gefahren. Ihre Fake News wenden sich gegen sie (dritter Akt, sechste Szene); ihr Sturz wird weit weg von ihrem eigenen Machtbereich vorbereitet (vierter Akt, dritte Szene) und selbst wenn sie wollten, könnten sie nichts dagegen unternehmen, weil ihnen sowohl die Kapazitäten fehlen als auch die Kenntnisse, um diese anzuwenden.

Es ist das selbe Muster, welches wir heute sehen, wenn Menschen vor den Herausforderungen der Digitalisierung versagen, so wie beispielsweise den Bushisten unter George W. bis zum Ende ihrer Regierung nicht klar wurde, was sie taten, indem sie die Welt des Digitalen nicht verstehen wollten und dass es die Sache nur noch schlimmer machte, das Netz ausschliesslich als Feind zu betrachten. Die Analysten der CIA schrieben sich die Finger wund, aber im Dunstkreis der damaligen US-Regierung hat man das nicht verstanden, ja nicht einmal hören wollen.
„Den Hunden deine Kunst, ich mag sie nicht. –
Legt mir die Rüstung an...“
(Fünfter Akt, dritte Szene)

Allmählich aber waren die Fakten doch nicht mehr zu leugnen:
„Ist Wahrheit das, was seine Meldung spricht,
So ist kein Fliehn von hier, ist Bleiben nicht.
Das Sonnenlicht will schon verhaßt mir werden;
O fiel in Trümmer jetzt der Bau der Erden!
Auf, läutet Sturm! Wind, blas! Heran, Verderben!
Den Harnisch auf dem Rücken will ich sterben.“
(Fünfter Akt, fünfte Szene)

So haben die Republikaner in der Zeit von 2001 bis 2008 den Weg für den Internetstar Obama bereitet und zusätzlich noch die eigene Partei in die Gefangenschaft eines hoffnungslos Wahnsinnigen geführt – das Schlimmste, was aus ihrer Perspektive passieren konnte. Macbeth' Selbstzweifel könnten ebenso von George W. Bush gesprochen sein:
„Mein Haupt empfing die unfruchtbare Krone;
Das dürre Zepter reichten sie der Faust,
Daß eine fremde Hand es mir entwinde,
Kein Sohn von mir es erbe. Ist es so?
Hab ich für Banquos Stamm mein Herz befleckt,
Für sie erwürgt den gnadenreichen Duncan,
In meinen Friedensbecher Gift gegossen
Einzig für sie und mein unsterblich Kleinod
Dem Erzfeind aller Menschen preisgegeben,
Zu krönen sie, zu krönen Banquos Brut!“

Und abermals nimmt er seine Zuflucht zu wahlloser Gewalt:
„Eh das geschieht, komm, Schicksal, in die Schranken
Und fordre mich auf Tod und Leben!“
(Dritter Akt, erste Szene)

Die selbe Dummheit begehen die ganz normalen Sterblichen. Ich höre noch, wie viele Deutsche in den 2000ern gesagt haben „Ich muss mich nicht verändern, ich hab' den Betriebsrat gefragt“. Wo ist dieser Betriebsrat heute, wo eure Jobs von damals nicht mehr existieren? Welche Protestveranstaltung hat die Roboter aufgehalten, die euch wegrationalisierten? Ihr habt mit dieser eurer Blindheit nur den Weg freigemacht für das nächste, übernächste und über-übernächste Startup, deren Software wieder einen vom Menschen gemachten Handgriff durch einen Algorithmus ersetzt.
Und wie sich George W. Macbeth an den Krieg klammerte, um sein Scheitern zu vertuschen, so klammert ihr kleinen Macbeth' euch heute an die Hassprediger von der AfD und ihren grossen Bruder Putin, die euch doch nicht retten.


Was sind die Folgen?
Shakespeare lässt seinen Bühnen-Macbeth am Ende köpfen, weil der Schurke ein Ende nach dem Geschmack des Publikums finden muss. Eine Strafe, die weit schrecklicher ist, erlitt George W. Bush in der wirklichen Welt, denn er blieb am Leben und wird noch heute, Jahre nach dem Ende seiner Präsidentschaft, von Gewissensbissen verfolgt. Dieser Mann ist steinreich, aber Seelenfrieden kann er sich nicht kaufen.
Und ihr, ihr Normalsterblichen? Tagtäglich müsst ihr Angst haben, dass ihr in Hartz IV landet, kein einziger Arbeitsplatz ist sicher, keine Firma von heute kann wissen, ob sie in einem Jahr noch existiert. Schaut etwa auf Deutschlands heilige Kuh, die Autoindustrie, wie man dort zittert vor dem Alptraum der Bedeutungslosigkeit, ja des völligen Verschwindens und nichts dagegen tun kann. Die Bedrohung ist real, aber wenn man gegen sie kämpfen will, so unangreifbar wie ein Traumgebilde.
„Erscheint dem Aug' und quält den Sinn,
Wie Schatten kommt und fahrt dahin!“
(Vierter Akt, erste Szene)

Warum ist das so? Warum diese Parallele über Jahrhunderte hinweg?
Weil die Realitätsverweigerung der Menschen immer die selbe geblieben ist. Wir werden das Opfer unserer eigenen Dummheit, Macbeth, weil er den Hexen glaubt und wir, weil wir den Politikern glauben, die aus Prinzip keine Ahnung haben oder den „Experten“, deren einzige Qualifikation darin besteht, dass sie in den Nachrichten und Talkshows zu sehen sind.

Und nein, ich werde euch jetzt nicht sagen, was ihr glauben sollt, denn ich weiss es selber nicht. Das ist kein Scherz: ich weiss nicht, ob mein Arbeitgeber in einem Jahr noch existiert oder was auch immer sonst geschieht. Nur sehr allgemein lässt sich sagen, dass wir in grösseren Veränderungen stecken als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte und dass ein Denken in den alten Mustern in den Untergang führt.
Wenn es mir damit gelungen sein sollte, euer herkömmliches Denken aufzubrechen und euch die Dinge aus einer anderen Perspektive sehen zu lassen, dann ist das schon alles, was ich mir erhoffen kann. Der Vollständigkeit halber muss noch gesagt, werden, dass selbst dies nicht meine Leistung ist, sondern dass Shakespeare und die Übersetzerin das Beste getan haben und ich nur einige offensichtliche Dinge angesprochen habe.

Alles Weitere liegt bei euch selbst, bei jedem Einzelnen von euch. Deswegen gibt es in diesem Text auch keine Links zu anderen Websites, sondern wenn ihr über einen bestimmten Punkt mehr wissen wollt, dann schaltet eure Gehirne ein und recherchiert selbst.



Montag, 10. Juli 2017

Zum Thema Nordkorea

Panik und immer wieder Panik über die Raketen des kleinen Kim aus Pjöngyang. Oh Gott, was machen wir bloss, der sprengt uns doch alle in die Luft!

Unsinn.
Kim Jong-un wird nichts dergleichen tun, weil er weiss, dass China ihn töten wird, falls er einen Krieg anfängt. Krieg in Asien beeinträchtigt nämlich die chinesischen Geschäftsinteressen und wird deswegen nicht zugelassen – aber das zu schreiben können sich die deutschen Medien, die nur von Angstmache leben, nicht leisten.


Was also tun? Die Nachrichten über Nordkorea ignorieren, fertig. 

Dienstag, 4. Juli 2017

Die chinesische Weisheit der Angela Merkel

Unsere so viel beschimpfte Kanzlerin ist offenkundig intelligent. Das lässt sich weniger an einem Einzelfall festmachen, sondern wenn man ihre Politik über einige Jahre hinweg verfolgt, zeichnet sich ein Muster ab, das auf eine gute Portion Cleverness hindeutet.

Nehmen wir die kontroversesten Dinge: Abschaffung der Wehrpflicht, Atomausstieg, Freizügigkeit für EU-Arbeitnehmer, Grenzöffnung für Flüchtlinge, Abschaffung der „Majestätsbeleidigung“, Homo-Ehe – alles grün-linke Themen, aber wer hat sie umgesetzt? Merkel und immer wieder Merkel. Sie hat ihren Gegnern ein Kernthema nach dem anderen geklaut und selbst besetzt.
Komplett irre.

Oder strategisch genial. Es sieht nämlich aus wie die praktische Anwendung einiger chinesischer Strategeme, vor allem Nummer 30, „Die Rolle des Gastes in die des Gastgebers umkehren“ und Nummer 19, „Das Brennholz unter dem Kessel wegnehmen“, also eine Verknüpfung zweier Strategeme nach Nummer 35 „Die Ketten-Strategie“.

Gleichzeitig benutzt Merkel potenzielle Rivalen aus den eigenen Reihen als Blitzableiter für öffentliche Empörung: Das unpopuläre Thema Netzsperren überliess sie Ursula „Zensursula“ von der Leyen, die neuerdings auch die Prügel für den desolaten Zustand der Bundeswehr einsteckt und in ihrer Unfähigkeit überhaupt nichts begreift; für die Naziparolen, die der NPD und AfD Wähler ablocken, ist Horst Seehofer zuständig, der sich dafür hervorragend eignet, weil er diese Parolen selber glaubt usw. usf.
Das wiederum ist Strategem Nummer 11, „Der Pflaumenbaum verdorrt anstelle des Pfirsichbaums“.

Wer die Hintergründe nachlesen möchte, hier ist der Link zum Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/36_Strategeme 

Was folgt nun daraus?
Angela Merkels einziges Bestreben ist die Macht. Nota bene: Nicht Macht als Mittel zum Zweck, also um damit irgend ein anderes Ziel zu erreichen, sondern die Macht selbst ist der Zweck, das Machtgefühl als solches, das nur sich selbst dient. Damit liegt sie im Trend, denn die Zeit der „grossen Ideen“ oder „Visionen“ ist ja ohnehin längst vorbei. 
Merkel könnte also, um ein Beispiel zu nennen, ebenso den „Bundeswehreinsatz im Inneren“ gegen alle Widerstände durchpeitschen wie auch die Bundeswehr komplett auflösen, es kommt nur darauf an, was ihrem Machterhalt dient. Für dieses Spiel hat sie offenbar einen weit besseren Instinkt als alle ihre Gegner und deswegen degradierte sie Sigmar Gabriel zum Totalversager und Martin Schulz zu einem armseligen Tolpatsch.

Wie die Bundestagswahl ausgeht, das weiss ich nicht, denn das wäre Hellseherei. Nur eines kann ich mit Gewissheit sagen: Unterschätzt Merkel nicht. Ihr mögt sie lieben oder hassen, aber seid vorsichtig, geht immer davon aus, dass sie noch ein As im Ärmel hat und dass sie von heute auf morgen wieder mit etwas herauskommt, womit ihr nicht gerechnet habt.