Sonntag, 6. September 2020

Computer – Eine Erklärung für Ahnungslose

 

Dieser Text steht unter Creative Commons License c c 0 (c c zero) und ist damit public domain.


Wie bitte? Ahnungslose? Wo gibt es die denn noch, immerhin leben wir in einer Welt, in der Computer

alles dominieren.


Es gibt sie überall. Die meisten Menschen in Deutschland haben von Computern keine Ahnung, so unfassbar das auch klingt. Sie sind davon umgeben, verstehen sie aber nicht, und das führt zu Situationen, wie sie in dem Buch „Generation Doof“ beschrieben werden, wo Leute nicht wissen, „wie man die Rechtschreibprüfung in Word aktiviert, ohne den First-Level-Support anrufen zu müssen“.

Das wiederum provoziert Stossseufzer wie „RTFM“ von Seiten der Kenner und was das bedeutet, kann man im Internet nachlesen – aber viele Leute wissen auch nicht, wie man das macht.


Die Folge solcher Ahnungslosigkeit ist es dann, dass Computer als „Wunderkisten“ bezeichnet werden und man ihre Nutzer für eine Art Hexenmeister hält, die alles könnten. Exemplarisch dafür steht der Film „Wargames – Kriegsspiele“ von 1983, in dem ein Teenager von seinem Heim-PC aus in einen Militärcomputer eindringt und einen Nuklearschlag in Gang setzt. So ist bis heute die Sichtweise der Deutschen auf alles, was mit Computern zu tun hat und so verkaufen die Medien das Thema noch immer, zuletzt beim „Drohnen-Hacking“.


Die meisten Leute hätten noch nicht einmal etwas dagegen, für immer so zu denken, denn das Märchen vom bösen Cyberspace ist sehr attraktiv, aber ärgerlicherweise reicht das nicht, denn die Computer von heute sind nicht mehr irgendwo und weit weg, wo man sie ignorieren kann, sondern sie sind zu einer Umweltbedingung geworden wie Wind oder Regen, also muss man etwas über sie wissen oder man wird zum Verlierer.

Daher präsentiere ich Ihnen nun die Informationen über das Thema, die meines Erachtens alle haben sollten. Es steht Ihnen jederzeit frei, sie mit eigenem Wissen zu ergänzen – und wenn Sie das schaffen, brauchen Sie mich nicht mehr.



I.

„Computer“ heisst übersetzt „Rechner“ und das ist ein sehr passender Name, denn es begann alles damit, dass Menschen anfingen, sehr viel zu rechnen, bis das Gehirn nicht mehr ausreichte. Man half sich zuerst mit Formeln, die viele Berechnungen nach ein und demselben Muster ermöglichen, dann mit mechanischen Rechenmaschinen, bei denen das Zusammenwirken der Bauteile den einzelnen Schritten einer Formel entsprach, also z. B. so und so viele Umdrehungen eines Zahnrades bedeuteten eine bestimmte Zahl, die Umdrehungen eines anderen ein Plus oder Minus usw.

Diese Maschinen hatten noch keinen Speicher. Man zog einen Hebel, bekam das Ergebnis und musste es von Hand aufschreiben, um dann mit der nächsten Berechnung anzufangen. Ausserdem war die Mechanik damals noch sehr primitiv und deshalb die Herstellung einer Rechenmaschine teuer, weshalb sie immer Einzelstücke waren.


Das blieb so bis ins frühe 19. Jahrhundert und an diesem Punkt begegnen wir einem der bedeutendsten Computerpioniere aller Zeiten: Charles Babbage. Die Technik hatte sich nun so gewaltig verändert wie noch nie, die Dampfmaschine zur Industriellen Revolution geführt, neue astronomische Entdeckungen hatten die Sicht auf das Universum verändert – nur die Menschen mit ihren Schwächen und Fehlern waren gleich geblieben. Sollte es nicht möglich sein, dem abzuhelfen?

Zur damaligen Zeit versuchte man dies mit mathematischen Tabellen auf Papier, die den Benutzer von den einzelnen Schritten entlasten sollten, so dass er sich an einer solchen Tabelle entlang automatisch zum richtigen Ergebnis hangeln könnte. Der Witz dabei ist, dass diese Tabellen ja auch von Menschen geschrieben wurden, die ihrerseits Fehler machten, also war das keine Lösung, sondern allenfalls der erste Schritt dorthin.


Babbage erkannte, dass dieses Problem von der Mechanik gelöst werden konnte. Man musste eine Maschine haben, die, einmal dazu gebaut, Berechnungen immer wieder ausführen konnte, ohne sich jemals zu irren. Da aber mit dem Fortschritt auch die Welt als Ganzes komplizierter geworden und daher das Bedürfnis nach Rechenleistung gewaltig gestiegen war, musste eine solche Maschine grösser und aufwändiger werden als alle vorherigen und Babbage ging noch weiter, denn selbst eine solche Maschine konnte nur einen Teil aller mathematischen Möglichkeiten ausnutzen, also entwarf er als Nächstes den „ultimativen Rechner“ mit allen Elementen moderner Computer: Ein- und Ausgabe, Rechenzentrum, Drucker und Speicher.


Dieser Entwurf, die „difference engine“, wäre seinerzeit nur mit grossen Mengen an Zahnrädern, Riemen und mechanischen Hebeln zu bauen gewesen, also als tonnenschweres Monstrum und wurde zu Babbages Lebzeiten nicht realisiert. Erst im 20. Jahrhundert schufen Forscher nach den Originalplänen derartige Maschinen und bewiesen damit, dass das Prinzip funktioniert.


Diese rein mechanischen, ohne Elektrizität betriebenen Geräte zeigten auch schon auf, was man mit „computing“, also reinem Rechnen, sonst noch anstellen kann. Ada Lovelace, eine brilliante Mathematikerin zur Zeit Babbages, die so einflussreich war, dass man sie heute als erste Programmiererin der Geschichte bezeichnet, schlug vor, die Maschine automatisch Musik komponieren zu lassen, was ebenfalls erst im 20. Jahrhundert realisiert wurde.


Der nächste grosse Schritt war die Elektrizität, die ab 1833 die Telegrafie möglich machte, eine so einflussreiche Form der Kommunikation, dass ein moderner Historiker sie als das „viktorianische Internet“ bezeichnet. Niemals zuvor waren Informationen derart schnell übermittelt worden wie jetzt und es wurde noch heftiger, als man auch den mechanischen Rechenmaschinen Elektrizität hinzufügte. Hier ist der Name Hermann Hollerith zu nennen, dessen elektromechanische Rechenmaschinen im Jahre 1890 dafür sorgten, dass eine Volkszählung in den USA 21-mal schneller ablief als die vorherige.


Dabei waren die Abläufe im Inneren der Maschinen noch immer die alten, Schaltkreise im heutigen Sinne hatten sie nicht, sondern es wurden lediglich die Bewegungen der einzelnen Teile nun durch elektrischen Strom angetrieben. Für einfachere Aufgaben benutzte man auch weiterhin mechanische Geräte, der Rechenschieber hielt sich bis in die 1980er Jahre.

Diese Technik war an ihre Grenze gestossen, aber die menschliche Gier verlangte nach mehr und immer mehr Maschinenleistung. Was also tun?

Da erkannten einige Forscher, dass man die Elektronik selbst rechnen lassen konnte.


Ein Stromkreis, auch Schaltkreis genannt, funktioniert nach dem Prinzip „Strom an – Strom aus“, weiter nichts. Wenn Sie zu Hause das Licht einschalten, wird ein Stromkreis geschlossen, die Energie fliesst und es wird hell. Drückt man erneut auf den Schalter, wird der Stromkreis unterbrochen, die Energie fliesst nicht mehr und es wird wieder dunkel.

Mathematisch gesehen, ist „aus“ gleich „Null“ und „an“ gleich „Eins“ und wenn man nun sehr viele solche Schaltkreise zusammenbringt, dann können sie sehr viele Schaltungen sehr schnell ausführen, also die Information „Null oder Eins“ in rasendem Tempo übermitteln.


Das klingt nicht besonders beeindruckend, denn was sollte man schon mit noch so vielen Nullen und Einsen anfangen?


Nun, man kann jedes Zeichen, das Menschen benutzen, also Buchstaben, Zahlen, Farbwerte, Geräusche usw. mathematisch zerlegen, in Zahlen ausdrücken und diese Zahlen als Information verschicken, um es beim Empfänger wieder zusammenzusetzen. Schon das herkömmliche Telefon macht so etwas, denn es verwandelt menschliche Sprache in elektromagnetische Wellen und dann wieder zurück.


Der Clou dabei ist, dass eine Abfolge oder Codierung aus nur acht verschiedenen Nullen und Einsen genügt, um jedes beliebige Zeichen auszudrücken.


Diese Nullen und Einsen nennt man „bits“ und eine Folge aus acht Stück heisst „byte“. Wenn Sie auf ihrem Computer die Taste „A“ drücken, wird ein Stromkreis geschlossen und Sie erzeugen ein Byte an Information, drücken Sie die „3“, ein anderes, tippen Sie „42“, erzeugen Sie zwei Bytes usw.


Diese Informationen, Daten genannt, fliessen in Gestalt von winzigen elektromagnetischen Strömen durch die Maschine zum Zielort, etwa dem Arbeitsspeicher. Dort aber ist sie nur so lange vorrätig, wie Strom fliesst, schaltet man die Maschine aus, sind die Daten weg.

Klicken Sie jedoch auf das „Speichern“-Symbol in Ihrem Programm, werden die Daten auf die Festplatte übertragen und dort dauerhaft abgelegt, bis man sich bewusst entscheidet, sie wieder zu löschen. Auch Musik, Filme und Spiele gehorchen dem gleichen Prinzip, weil sie alle nur als elektrische Impulse transportiert werden.


Das ist also das ganze Geheimnis: riesige Mengen von sehr kleinen Schaltkreisen, die noch riesigere Mengen von „Strom an“- und „Strom aus“-Schaltungen durchführen.


Um auszudrücken, welche Mengen von Information hier bewegt werden, benutzt man Begriffe wie „Kilobyte“, abgeleitet vom lateinischen Wort für „tausend“, also eintausend Zeichen, „Megabyte“ für eine Million Zeichen, „Gigabyte“ für eine Milliarde, Terabyte, Petabyte, Exabyte, Zettabyte usw., immer das Tausendfache der vorherigen Zahl.


Wenn man sich näher damit beschäftigt, stösst man noch auf die Tatsache, dass es bei Computern nicht genau Tausend sind, sondern 1024, aber das können Sie getrost den Fachleuten überlassen. Es geht hier

nur darum, das Prinzip verständlich zu machen.


Diese Verwendung von Elektrizität zum Rechnen an sich und nicht nur zum Antrieb der Maschine macht auch den Unterschied zwischen „analog“ und „digital“ aus. Einen analogen Rechner kann man nicht umprogrammieren, also für verschiedene Aufgaben nacheinander verwenden, sondern nur für das, wofür er einmal gebaut wurde. Ein „Elektronen-Gehirn“ dagegen kann seine gleich bleibenden Schaltkreise nutzen, um völlig verschiedene Dinge zu tun, sei dies Texte schreiben, mathematische Berechnungen ausführen, Bilder, Filme, Musik und Spiele sowohl herstellen als auch bearbeiten.


Und wie ist das mit dem Internet?


Das Netz entstand in den 1960ern, als J. C. R. Licklider, Paul Baran und einige andere kluge Köpfe an amerikanischen Universitäten auf die Idee kamen, Computer miteinander zu verbinden wie Telefone. Das Telefonnetz war ja schon da und es funktionierte ebenfalls mit elektromagnetischen Wellen, wenn man also die Wellen oder Impulse, die Computer aussenden, über das Telefonnetz übertragen könnte, dann wäre es möglich, Maschinen an verschiedenen Punkten der Erde miteinander zu „vernetzen“.


Die immer wiederkehrende Legende vom Militär, das diese Entwicklung angestossen hätte, stellt die Wahrheit auf den Kopf, denn die Militärs waren viel zu rückständig, um die Potenziale der Computer zu erfassen. Die von Präsident Eisenhower 1957 ins Leben gerufene militärische Forschungsbehörde ARPA, heute DARPA (Defense Advanced Research Projects Ageny), brachte zwar ein paar Leute zusammen, die nicht ganz so vernagelt waren, hatte aber ihre liebe Not, genug Geld zu bekommen, um diese verrückte Idee von einem Netzwerk umsetzen zu können und erst als das System schon lief, sprangen Generale und Politiker auf den Zug auf, wiederum ohne etwas verstanden zu haben.


Das auf diese Weise entstandene „Arpanet“ setzte Maßstäbe, bis es von noch verrückteren Ideen überholt wurde, 1989 wurde es denn auch abgeschaltet, aber die Idee eines Computernetzwerks hatte sich schon weltweit ausgebreitet. 1994 entwickelte Tim Berners-Lee in der Schweiz jenes System, das wir heute „Internet“ nennen, nämlich die Benutzeroberfläche des WWW und die Idee der Hyperlinks, mit denen man einzelne Webseiten verbinden kann und die man nur noch anzuklicken braucht, ohne jedesmal eine neue Adresse eintippen zu müssen.


Jetzt endlich wurde das ganze System einfach und konnte auch von Amateuren benutzt werden, Computer in China können nun auf andere Computer aus Südamerika, Europa oder Afrika zugreifen und umgekehrt, eine E-Mail von Hessen nach Neuseeland ist schneller da als ein papierener Brief von München nach Hamburg und Lexikonartikel aus Finnland oder Zeitungsmeldungen aus Gabun kann man an jedem Internetanschluss auf der ganzen Welt lesen. Die Raumfahrer auf der ISS schicken E-Mails aus dem Weltraum und wenn ich einen Rundflug über den Mars machen will, brauche ich mir nur die Videos anzusehen, die unsere Roboter dort aufgenommen haben.



II.

Na schön, sagen Sie, soviel also zu Computern im Allgemeinen. Aber wie ist die Maschine denn nun aufgebaut? Man liest ja von CPUs und Prozessoren, Festplatten, RAM und ROM, Grafikkarten, Soundkarten und allen möglichen anderen Begriffen. Was bedeuten diese Dinge?


- CPU und Prozessor sind das Selbe, denn CPU bedeutet „Central Processing Unit“, zentrale Arbeitseinheit. Dort werden die Rechenoperationen ausgeführt, die das System zum Leben erwecken.


- RAM ist der Arbeitsspeicher, das Kürzel steht für „Random Access Memory“, Speicher mit schnellem

Zugriff. Dort liegen die Daten, mit denen man gerade arbeitet und je mehr Leistung Sie von Ihrem Rechner erwarten, um so wichtiger ist ein grosser Arbeitsspeicher.


- ROM ist die Festplatte, „Read Only Memory“ oder „Nur Lesen-Speicher“ (auch als HDD, „Hard Disk Drive“ bezeichnet), wo alle Programmme liegen, die man gerade nicht braucht. Ruft man ein Programm auf, indem man auf dem Bildschirm das entsprechende Symbol anklickt, wird es in den Arbeitsspeicher geladen und dem Prozessor zur Verfügung gestellt. Grund für dieses Verfahren ist, dass die Festplatte langsamer arbeitet als der Arbeitsspeicher und das System zu langsam wäre, wenn der Prozessor alles von der Platte holen müsste – ungefähr so, als ob Sie für jede Akte, die Sie auf Ihrem Schreibtisch brauchen, immer wieder ins Archiv laufen müssten, anstatt sie bei sich zu behalten, bis Sie damit fertig sind.


- Grafikkarte und Soundkarte sind Bauteile, die, wie ihre Bezeichnung schon sagt, explizit für eine bestimmte Funktion geschaffen wurden. Der Grund ist, dass der Arbeitsspeicher, wenn er alles allein machen müsste, überfordert wäre, also werden bestimmte Aufgaben vom Prozessor an diese Karten geschickt. Vor allem die Grafik ist heute sehr wichtig, da wir ja nicht mehr nur Texte eintippen und lesen, sondern auch mit Bildern arbeiten. Spiele und Videos erfordern noch mehr Leistung, also sollte man beim Kauf auf eine gute Grafikkarte achten und nicht nur auf den Prozessor.


- Ein Programm ist eine Reihe von festgelegten Befehlen, die der Computer lesen und ausführen kann und das wichtigste Programm ist das Betriebssystem, engl. „operating system“ oder abgekürzt OS, das dafür sorgt, dass die Einzelteile des Computers zusammenarbeiten. Wenn Sie einen USB-Stick anschliessen, so registriert das OS diesen Vorgang und sagt dem Laufwerk, was es mit der auf dem Stick vorhandenen Information tun soll, wie ein Mitarbeiter am Empfang, der dem Paketboten das richtige Stockwerk nennt. Auf der selben Ebene sitzt der „Sicherheitsdienst“, d. h., ein Programm zum Schutz gegen Viren und andere Fieslinge, in den „höheren Etagen“ die Programme zum Lesen von Dokumenten, zum Schreiben und Rechnen, zur Bildbearbeitung, Warenwirtschaft usw., je nachdem, welche Arbeit man mit dem betreffenden Gerät macht.


Dann ist da noch die alte Debatte „Desktop vs. Laptop“, die inzwischen obsolet geworden ist, weil moderne Laptops eine Leistung bringen, die manchen „Stand-PC“ alt aussehen lässt. Es ist also eine Frage der persönlichen Vorlieben, z. B. mit welcher Tastatur man besser zurechtkommt oder, wenn man viel draussen arbeitet, ob der Laptop auch ein mattes Display besitzt, denn bei einem spiegelnden sieht man im Sonnenschein nichts.


Ein Unterschied ist allerdings wichtig: Wenn ein Laptop für längere Zeit zu Hause am Stromkabel hängt, sollte man den Akku herausnehmen, sonst wird dieser permanent überladen und schmort durch. Akkus gelten rechtlich als Verschleissteile, haben nur wenige Monate Garantie und ein neuer kostet um die hundert Euro, also achten Sie lieber darauf.


Smartphones und Tablets sind verkleinerte Computer, die nach den selben Prinzipien arbeiten, der Hauptunterschied ist die Bedienung über den „Touchscreen“, einen berührungsempfindlichen Bildschirm anstatt über eine herkömmliche Tastatur.


Ebenfalls vor dem Kauf muss man die Folgekosten durchdenken. Was kostet die Hotline des Herstellers? Wie lange dauert eine Reparatur? Wie kompliziert ist der Ablauf? Und wenn das Ding in die Werkstatt geht, was tun Sie in dieser Zeit? Womit arbeiten Sie drei Wochen oder vier Wochen lang, wenn Ihr gewohnter Rechner nicht da ist? Haben Sie Ihre Daten gesichert, bevor Sie ihn einschicken? Wenn Sie das nämlich nicht tun, werden Sie diese Daten nie wiedersehen.


Und noch eins: Nur ein Idiot glaubt an die Versprechen der Hersteller oder der Werkstätten. Gehen Sie immer davon aus, dass es schlimmer ist. Immer.



III.

So weit ein allgemeiner Überblick. Die Einzelheiten müssen Sie sich selbst erarbeiten, je nachdem, was Sie brauchen und ich kann Ihnen nur noch einige Websites nennen, die mir geholfen haben:


Für die allgemeine Suche nach Informationen bietet sich die Wikipedia an, ein kostenloses Lexikon mit der Adresse „de.wikipedia.org“, englische Version mit mehr Artikeln unter „en.wikipedia.org“


Nicht nur Spass-Videos, sondern auch ernsthafte Dokumentationen und Universitätsvorlesungen zu jedem Thema gibt es auf „www.youtube.de“


Klassische Literatur fand ich unter anderem auf „www.gasl.org“ und „www.digbib.org“


40'000 Werke der klassischen Malerei stehen gratis auf „www.zeno.org“


Das Ende des Einzelhandels

Nachdem ich bereits im vergangenen Jahr dargelegt habe, dass auf der grundsätzlichen Ebene alles entschieden ist und alle Entwicklungen unwiderruflich fest stehen (siehe meinen Artikel „Die Lösung aller eurer Probleme“: http://klausgieg.blogspot.com/2019/11/die-losung-aller-eurer-probleme.html ), geht es nun um die Anwendung im Einzelfall.


Heute hängen wir das mal auf am Zusammenbruch von Karstadt Kaufhof, wo man sich zuerst Jahre lang selbst in die Tasche gelogen hat und jetzt ganz erschrocken dasteht, weil doch Fillialen geschlossen werden.


Die einzige ehrliche Antwort darauf lautet: Ach, Sie ahnungsloser Engel. Selbstverständlich ist der „stationäre Einzelhandel“ tot. Er ist schliesslich eine völlig überholte Art, Geschäfte zu machen und Nichts wird ihn jemals wieder ins Leben zurückrufen. Für Karstadt Kaufhof heisst das, auch die „überlebenden“ Fillialen werden in den nächsten paar Jahren sterben und allen anderen Kaufhaus-Konzernen geht es genauso.


E-Commerce dagegen ist nicht mehr die Zukunft, es ist die Gegenwart, es ist jetzt und in der Coronakrise ist das noch einmal schlagend bewiesen worden, denn wir, die wir in dieser Branche tätig sind, ersticken in Mehrarbeit. Die Leute wollen mehr kaufen als wir haben oder mit anderen Worten, es wird nicht nur Geld ausgegeben wie verrückt, sondern die Leute haben noch mehr Geld, das sie nicht loswerden.


Das deutet auf die Zukunft. Schon die Lockerungen nach dem Lockdown haben gezeigt, wie riesig die Nachfrage nach allen möglichen Dingen ist und wenn alle Beschränkungen weg sind, wird erst recht die Hölle losbrechen. Es ist – ganz bewusst gesagt – ein Nachholbedarf wie seit 1945 nicht mehr. In der TV-Serie „Band of Brothers“, Folge 8, erzählt ein US-Bürger über den Februar 1945. Zitat: „In Amerika sah es bereits beinahe wieder wie in Friedenszeiten aus. Der Lebensstandard stieg, Rennbahnen und Nachtclubs boomten, in Miami Beach konnte man kein Hotelzimmer mehr bekommen, so voll war es.“ Zitat Ende.


So ist es auch jetzt wieder und das bedeutet Arbeit, Arbeit, Arbeit auf Jahre hinaus, die Vorhersage, dass die Digitalisierung mehr Jobs schaffen würde als sie vernichtet, ist eingetroffen. Das beweist nebenbei, dass die Digitalisierung neuen Wohlstand schafft, denn sonst könnte man ja diese neuen Jobs nicht bezahlen.


Den vollen Umfang dieser Entwicklung werden wir erst in den nächsten Jahren zu spüren bekommen, aber schon jetzt lässt sich sagen, was die Leute im stationären Einzelhandel tun können und vernünftigerweise auch tun sollten:

a) ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand bringen und herausfinden, wie heutzutage Bewerbungen ablaufen

b) sich mit dem Thema E-Commerce im Allgemeinen vertraut machen, von Kundenbetreuung bis zur Logistik

c) für Alternativen offen sein, etwa Programmieren. Dazu sollten sie sich einige Videotutorials zu den Programmiersprachen „Python 3“ und „JavaScript“ ansehen, um herauszufinden, ob etwas davon sie anspricht

d) ihre Sprachkenntnisse verbessern. Neben dem Klassiker Englisch stehen zur Auswahl Spanisch und Chinesisch, denn diese Sprachen beherrschen die Märkte der nächsten Jahrzehnte


Das Ziel ist es, beim Rausschmiss aus dem jetzigen Job schon eine Idee parat zu haben, wie der nächste Schritt aussieht, etwa beim Jobcenter nicht nur allgemein nach einer Weiterbildung zu fragen, sondern konkret sagen zu können „Ein Kurs in Python 3, alternativ ein Grundkurs Spanisch“ oder was auch immer für einen selbst das Passende ist. Auf diese Weise wird der „Jobverlust“ zu einem neuen Anfang.


Falls Ihnen das zu esoterisch klingt, sind Sie herzlich eingeladen, eine bessere Idee zu präsentieren.


Montag, 17. August 2020

Eine kleine Geschichte aus dem Jahr 2027

 

Oktober 1947

Sie trug ein limonengrünes T-Shirt und sonst nichts.

Es war nicht lang genug, um ihren Unterleib zu bedecken und ihre Möpse spannten den Stoff.

Sie sah ihn an und grinste.

Er wusste, dass er hätte wegschauen sollen. Er wusste, dass es nicht anständig war, sich auch nur so nahe bei ihr zu befinden, schon gar nicht, wenn sie nur dieses eine Stück Stoff auf dem Leib trug. Er wusste...

Er wusste nicht mehr, was dann geschehen war.

Seine nächste bewusste Erinnerung war der Moment am folgenden Morgen, als er neben IHR aufwachte und die Welt nicht mehr verstand.


Oktober 2027

Achtzig Jahre später schmolz er dahin vor der Niedlichkeit, mit der seine Urenkel auf einem ebenso riesigen wie gutmütigen Neufundländerhund zu reiten versuchten. Ihre lesbischen Mütter kreischten vor Lachen und hätten die Kamera nicht ruhig halten können, aber Feng, der aufgerüstete ehemalige Staubsaugeroboter und Bao, die Familiendrohne schafften das mühelos, denn derartige Jobs waren der Sinn ihrer Existenz.


Die Urgrosseltern, deren aufgerüstete Körper wieder aussahen, als wären sie erst zwanzig Jahre alt und die zusätzlich um ein Vielfaches leistungsfähiger waren als damals, befanden sich auf dem Weg zum Saturnmond Enceladus, um bei seiner Besiedelung mitzuarbeiten. Deshalb sahen sie das „Live“-Video mit einer gewissen Zeitverzögerung.

Das limonengrüne T-Shirt war aufbewahrt worden wie eine Reliquie und die Urgrossmutter überreichte es vor der Abreise ihrer Enkelin, die es zum passenden Zeitpunkt an die Urenkelin weitergeben sollte.



Montag, 20. Januar 2020

Wie man ein Lichtschwert baut


Vor einigen Tagen hatte ich dazu Abends beim Einschlafen einen Geistesblitz: 
Man nehme kohärente Energie, deren Machbarkeit bereits bewiesen ist, mit einer eingebauten Begrenzung. Diese Begrenzung besteht in einem entgegen der ursprünglichen Richtung wirkenden Impuls an der Spitze, so dass die Quanten (Lichtteilchen) sich nicht immer weiter bewegen, sondern gehalten werden.
Entsprechend gibt es eine Schleife in der Programmierung des Schwertes, die etwa besagt „Wenn die Energiezufuhr eingeschaltet wird, baue eine Leiste aus kohärenter Energie auf, die einen Meter lang ist. Wenn diese Länge erreicht ist, kehre den Impuls an der Spitze um, so dass die einzelnen Quanten auf dieser Leiste aufgereiht bleiben und sich nicht weiter ausbreiten. Halte diesen Zustand, bis die Energiezufuhr abgeschaltet wird.“
So etwas erfordert natürlich einen stetigen Nachschub an Energie, die logische Ergänzung ist daher ein weiterer Befehl: „Wenn die Energiezufuhr abgeschaltet wird, führe die verbliebenen Quanten zurück in den Akku. Danach beginne mittels Energy Harvesting, den Akku aufzuladen.“
Nach dem selben Prinzip lässt sich auch der Traktorstrahl aus Star Trek realisieren.

Das geht zwar weit über das hinaus, was die irdische Physik im Jahr 2020 zu leisten vermag – Woher sollen wir einen derart supereffizienten Energiespeicher nehmen? Wie die Quanten dazu bringen, sich gegenseitig zu kontrollieren und gar ein stetiges Feedback an den Chip im Schwertgriff zu senden? – aber darauf kommt es ja nicht an, sondern entscheidend ist, dass damit ein gangbarer Weg gefunden wurde und wann wir ihn tatsächlich gehen, ist nur noch eine Frage der technischen Entwicklung. Aus der leidenschaftlich geführten Grundsatzdebatte, ob ein solches Gerät möglich ist oder nicht, wurde „nur noch“ eine technische Herausforderung.

Neu ist dieser Gedanke übrigens nicht, sondern bei Perry Rhodan tauchte bereits in den frühen 1990ern das Wort „Formenergie“ auf, welches das selbe Prinzip beschreibt. Ich habe also nicht etwas bisher Unbekanntes entdeckt, sondern nur mir selbst endlich eine Erklärung geben können, mit anderen Worten, ich habe etwas gelernt, was Millionen Andere wahrscheinlich schon längst wissen.
Aber auch das ist ein Erfolg.


Montag, 4. November 2019

Die Lösung aller eurer Probleme


1. Staatsschulden, Wirtschaft, Bildung
Es wird immer wieder behauptet, Deutschlands Steuerzahler müssten heute noch für Kosten aus den Weltkriegen aufkommen oder aus dem Wiederaufbau der 1950er oder was auch immer.
Alle derartigen Behauptungen sind gelogen. Die Staatsschulden der beiden Weltkriege wie auch der Zwischenkriegszeit sind schon lange bezahlt, die Schulden der 1950er-Jahre oder meinetwegen auch die der 1960er, 1970er, 1980er und 1990er sind bezahlt und die Schulden der DDR, die wir mit deren Beitritt zur Bundesrepublik übernommen haben, sind auch bezahlt.
Ausserdem gibt es natürlich bei der Art der Schulden noch Unterschiede, die man vereinfacht als „gute Schulden“ und „schlechte Schulden“ bezeichnet, aber da eure Gehirne zu klein sind, um das zu verstehen, gehe ich darauf nicht weiter ein. Findet euch erst einmal in die Tatsache, dass die Altschulden, von denen ihr faselt, nicht mehr existieren und dann überdenkt euer Weltbild.

Mit ähnlichem Hass verfolgt man das Thema Entwicklungshilfe, so wurde bis in die jüngste Vergangenheit darüber geschimpft, dass das mittlerweile so reiche China noch Entwicklungshilfe bekäme, aber auch das ist längst vorbei – ganz abgesehen davon, dass die Einkäufe der Chinesen hierzulande uns ein Vielfaches dieser Gelder wieder eingebracht haben. Von diesem Standpunkt aus kann man die so viel geschmähte Ausgabe nicht als Geschenk betrachten, sondern als Investition. Geht das irgendwie in eure Köpfe?
Auch in anderen Teilen der Welt sinkt inzwischen der Bedarf an deutschem Geld, im August 2019 etwa hat der brasilianische Präsident Bolsonaro gesagt, deutsche Fördergelder zur Aufforstung des Regenwaldes seien verzichtbar und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis afrikanische Länder etwas Ähnliches sagen. Es ist sogar vorhersagbar, dass diejenigen Leute, die heute über die Existenz von Entwicklungshilfe meckern, sich dann beleidigt fühlen werden, weil niemand mehr diese Hilfe haben will.
Die Entwicklungshilfe, welche noch existiert, macht übrigens nicht einmal ein Promille des Bundeshaushalts aus. Lasst euch das langsam auf der Zunge zergehen: Von jeweils eintausend Euro, welche die Bundesrepublik ausgibt, geht weniger als ein Euro in die Entwicklungshilfe. Wem das noch nicht geizig genug ist, dem ist nicht mehr zu helfen.
Zu den Motiven der Meckerer kann man auch etwas sagen: Ihr seid neidisch, weiter nichts, projiziert euren persönlichen Neid auf die Gesamtsituation und weil eure Gehirne so klein sind, werdet ihr nie begreifen, wie falsch ihr damit liegt und wie sehr ihr eure Zeit verschwendet.

Zur Wirtschaft etwas zu sagen, ist ebenso einfach: Immer weniger Menschen kann man nicht immer mehr Dinge verkaufen, die Wirtschaft wird also schrumpfen.
Das ist ein natürlicher Vorgang, aber es wird euch einen Schock verpassen, weil ihr alle das goldene Kalb namens Wirtschaftswachstum anbetet und nun in einer Welt aufwacht, in der es kein Wachstum mehr gibt. Der Zusammenbruch der Textilbranche aufgrund des hoffnungslos übersättigten Marktes ist ja bereits im Gange, ebenso der Untergang der Banken und der Autoindustrie, auch der Maschinenbau wird nicht ewig leben usw. usf. Dazu kommt natürlich noch die Digitalisierung, diejenigen Jobs, welche in den alten Industrien noch übrig bleiben, werden von Maschinen übernommen; die selbe Digitalisierung wird die Callcenterbranche auslöschen usw. usf.
Auch die Zeitungen werden im Zuge dessen verschwinden. Einige sind ja schon weg, alle anderen stehen auf der Kippe und es ist höchstens noch die Frage, welcher Eigentümer es zuerst wagt, sich zu bewegen und Schluss zu machen.
Vor allem „Topmanager“, aber auch „die Industrie“ insgesamt liessen sich in der Vergangenheit wunderbar zu Feindbildern stilisieren, denen man an allem Möglichen die Schuld geben konnte, auch dafür werdet ihr euch jetzt ein neues Ziel suchen müssen.
Zur Zahl der Betroffenen: Allein hier in Deutschland werden in den nächsten drei Jahren – also bis Ende 2022 – fünf Millionen alte Jobs ausgelöscht. Wiederum sage ich, lasst euch das auf der Zunge zergehen: Fünf Millionen Menschen, die sich hierzulande an eine neue Art von Arbeit gewöhnen müssen.
Nach 2022 gehen die Veränderungen weiter. Und dann noch weiter.

Damit sind wir bei der Bildung: Wir müssen generell mehr lernen, denn mindestens 90 % unserer Sorgen entstehen aus Mangel an Wissen. Die Lösungen sind da, aber wir kennen sie nicht.
Ein Beispiel: Bringt den Rentnerinnen endlich Programmieren bei. Wir haben nicht mehr genug junge Leute und werden sie nie wieder haben, deswegen müssen es die Alten reissen und wohlgemerkt, das liegt in ihrem eigenen Interesse. Es gibt herzzerreissende Berichte über Frauen, die in Altersarmut leben, weil das System der 1950er und 1960er, auf das sie vertrauten, sie eiskalt im Stich gelassen hat. Wenn diese Frauen programmieren könnten, wäre das Problem gar nicht entstanden.

Um es bewusst brutal auszudrücken: Wenn du demnächst noch etwas zu essen haben willst, dann musst du sowohl die Bild-Zeitung als auch den Fernseher beiseite legen und beispielsweise JavaScript, C# und Python lernen. Und erst wenn du es geschafft hast, mittels einer Game-Engine oder mit dem Programm „Blender“ einen Romanklassiker, sagen wir etwa „Wuthering Heigths“ aka „Sturmhöhe“, in einen Animationsfilm zu verwandeln, erst dann hast du auch das Recht, über die Gegenwart zu meckern.
Anders formuliert: Da sind die Lösungen, also benutzt sie endlich! Hört auf, das dumme Geseiere eines Donald Trump oder Horst Seehofer oder [hier beliebige andere Politiker einsetzen] zu konsumieren und beschäftigt euch mit den Dingen, die auch in fünf Jahren noch wichtig sind.


2. Ressourcen und Ökologie
Was sind schon 1000, 2000 oder 4000 Meter tiefe Bergwerke, wenn allein die Erdkruste 35 000 Meter dick ist? Wir haben bestenfalls eine schwache Ahnung von den Schätzen, die dort liegen und von den Massen an geothermaler Energie, die wir in 100 000 Jahren nicht verbrauchen können.

Ausserdem: Die Weltbevölkerung schrumpft. Die sogenannte „Bevölkerungsexplosion“, die man uns von den 1960ern bis in die 2000er als Schreckensszenario eingehämmert hat, ist schon längst zu Ende und die Apokalyptiker klammerten sich an die Hoffnung, dass es ja immer noch ein Wachstum gäbe, das eines Tages irgend einen kritischen Punkt überschreiten und die herbeigesehnte Katastrophe auslösen würde.
Ist nicht drin, Leute. Seit 2018 schrumpft sogar die Bevölkerung Chinas; in Europa, Japan, Russland und Iran tut sie das schon lange, selbst in Afrika wachsen mittlerweile kaum noch Menschen nach. Dementsprechend heisst das neueste Buch zum Thema auch „Empty Planet“, also „leerer Planet“ und Planungen für noch gigantischere Megastädte mit noch mehr Wohneinheiten sind weltweit im Altpapier gelandet.

Mit weniger Menschen auf der Erde sinkt auch der Ressourcenverbrauch. Wir konnten uns hierzulande den Ausstieg aus der Steinkohle locker leisten, in der Nach-Merkel-Ära werden wir das Ende der Braunkohle erleben, der Atomausstieg ist ohnehin beschlossene Sache und an landwirtschaftlicher Fläche brauchen wir nicht einen einzigen Quadratmeter zusätzlich, sondern im Gegenteil, die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist so sehr gefallen, dass die verbliebenen kaum noch wahrnehmbar sind. Die Herstellung von Lebensmitteln in so grossen Mengen, dass die ganze Menschheit satt werden kann, ist trotzdem erreicht und wenn heute noch irgendwo Menschen hungern, dann nur, weil Politiker das so wollen.
Mittlerweile kann sogar Kohlendioxid alias CO2, das ihr euch als Ursprung alles Bösen verkaufen lasst, in ein Proteinpulver verwandelt werden, das als Nahrungsmittel dient. Das fertige Produkt heist „Solein“ und wird, wie der Name andeutet, mittels Solarenergie am Fliessband hergestellt, also komplett ohne Landwirtschaft. Diese Leistung ist der Höhepunkt der modernen Lebensmittelindustrie, die von urban farming bis Fleisch aus dem Labor reicht. Die Welt kann sich ernähren, ohne je wieder Bauernhöfe zu brauchen und schon in zehn Jahren von heute an – ja, ich meine wirklich im Jahr 2029 – wird es keine Bauern mehr geben.
Das bedeutet, dass alle Landflächen, die heute noch agrarisch genutzt werden und ebenso die Flächen aller Industrien, die mit Landwirtschaft zusammenhängen, in Zukunft der Natur zurückgegeben werden und dass wir uns trotzdem jeden Tag überfressen können. Millionen Quadratkilometer weltweit werden sich wieder in „unberührte Natur“ verwandeln.

Stromversorgung: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch in Deutschland liegt mittlerweile bei 50 % und das ist noch lange nicht das Ende. Wir haben die Kräfte der Natur über Jahrzehnte falsch eingeschätzt, weil eine korrupte Politik das so wollte und in Wirklichkeit haben diese Kräfte ein Ausmass, das wir uns kaum vorstellen können. Um eine altbekannte Tatsache zu wiederholen, die Sonne spuckt jeden Tag 7000 Mal mehr Energie aus, als die Menschheit verbraucht. Wieder mit einem Zehn-Jahres-Zeitraum gesagt, im Jahr 2029 werden wir unseren globalen Energiebedarf aus Solartechnik gewinnen und Ölraffinerien wie Atomkraftwerke werden nur noch eine Erinnerung sein.
Expandieren wir ins übrige Universum, so nimmt es erst recht kein Ende, in unserem Sonnensystem beispielsweise bieten uns der Jupiter und einige seiner Monde mehr Brennstoff, als wir in hunderttausend Jahren verbrauchen können. Darauf hat uns zuletzt Cixin Liu in „Der Dunkle Wald“ aufmerksam gemacht und zwar nur in einem Nebensatz (!), weil er das schon für selbstverständlich hält. Das ist auch ein Hinweis, warum Asien dem Westen so überlegen ist: was wir noch als Problem ansehen, ist dort längst zu Ende gedacht und erledigt.
Ach ja, auf dem Jupitermond Europa gibt es ausserdem doppelt so viel Wasser wie auf der Erde und ebenso hat man Wasser auf diversen Exoplaneten entdeckt, also solchen, die sich ausserhalb unseres Sonnensystems befinden.

Freilich: Dass wir ausserhalb unseres Planeten einen wahrhaft galaktischen Überfluss haben, bedeutet ja noch nicht, dass diese Ressourcen hier bei uns wären und daran können sich die Unglückspropheten hochziehen. Aber die Fakten sind auch hier ein wenig anders.
Weltweit weniger Menschen als bisher bedeutet nämlich nicht „nur“ weniger Ressourcenverbrauch, sondern auch weltweit weniger Bedarf an Wohnraum, weltweit weniger Bedarf an Industrie und alte Schreckensworte wie „Flächenversiegelung“ oder „Wohnungsnot“ haben nur noch historische Bedeutung. Stand von jetzt, Herbst 2019, ist es, dass die Dörfer schon tot sind und die Städte nicht mehr wachsen, weil sie mangels neuer Menschen nicht mehr wachsen können.
Der sogenannte „Mietenwahnsinn“ in deutschen Grossstädten, den man in den letzten Jahren zum Untergang des Abendlandes stilisiert hat, ist deswegen bereits vorbei. Ohne immer mehr Menschen können die Mieten nicht mehr steigen und das bedeutet, wir werden in den nächsten Jahren Klagen aus der Immobilienbranche zu hören bekommen, wenn etliche ihrer Mitglieder bankrott gehen.

Die Politiker der westlichen Welt sind darauf nicht vorbereitet, diejenigen Asiens schon eher. Ungeachtet dessen ist es für jede politische Struktur eine Herausforderung, mit der Schrumpfung umzugehen, wo man bisher nur Wachstum kannte.
Die Statistiker werden noch eine Weile brauchen, ehe sie das bestätigen und bis es in den Schlagzeilen der „Bild“ ankommt, dauert es noch länger, das bedeutet, bis ihr es mal kapiert, ist die Schrumpfung längst wirksam geworden.


3. Gesundheit
Dass man Krebs und Aids heilen kann, ist schon fast wieder ein alter Hut, seit Jahren in allen Facetten durchdiskutiert und durch die Heilung von immer mehr Krebs- und Aidspatienten bewiesen; im Sommer 2019 erreichte dieses Faktum sogar die Boulevardpresse, als bekannt wurde, dass Asma al-Assad eine Brustkrebserkrankung überstanden hat. Ein weiteres Faktum ist, dass immer mehr Querschnittsgelähmte aus dem Rollstuhl aufstehen können und sich wieder auf ihren eigenen Füssen fortbewegen, bis auch diese Krankheit nur noch eine Erinnerung sein wird.
Ausserdem hat der allgemeine Fortschritt unsere Lebenserwartung schon beachtlich erhöht, heute sind 85 Jahre der Durchschnitt und selbst die Pessimisten gehen von einer weiteren Steigerung auf über 90 Jahre aus. Schon im Jahr 2025 haben wir mehr Hundertjährige auf der Erde als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte und die biotechnisch hergestellte ewige Jugend ist nur noch eine Lappalie.
Das bedeutet für die weitere Zukunft, wir werden nach unserem Geburtsdatum tausend Jahre alt sein und gleichzeitig hochleistungsfähige Körper haben, kombiniert mit Altersweisheit.
Diese körperlichen und geistigen Verbesserungen wiederum geben uns die nötigen Fähigkeiten, mit der Veränderung der Wirtschaft und dem Verschwinden der alten Arbeitsformen fertig zu werden.

Allerdings dürften das viele von euch trotz aller entsprechenden Berichte nicht kapiert haben und damit sind wir beim entscheidenden Punkt. Möglich ist vieles, aber ihr habt keine Ahnung davon, weil ihr keine haben wollt. Wo kämen wir denn auch hin, wenn ihr euch den Tatsachen stellen würdet?


4. Fazit
Dies alles ist nur ein grober Überblick und kann auch gar nicht mehr sein, denn die Welt ist komplex und selbst diese allgemeine Betrachtung hier wird die meisten Menschen überfordern. Es bleibt nun jedem von euch selbst überlassen, in die Einzelheiten zu gehen und wenn ich damit nur das Eine erreiche, dass ihr aufhört, in apokalyptischen Szenarien zu denken, dann ist das schon viel.


Sonntag, 6. Oktober 2019

Rezension zum "Kin Ping Meh"

...einem klassischen chinesischen Roman, in der Übersetzung von Franz Kuhn, die man ihrerseits schon wieder als Klassiker bezeichnen kann. 

Lohnenswerte Lektüre
Auch wenn dieser Roman keiner der vier kanonischen Klassiker ist, ist er sein Geld wert und auch wenn die Übersetzung von Franz Kuhn stark gekürzt ist (dem Nachwort von Boris Riftin zufolge fast um die Hälfte), bringt sie den Kern des Werkes zur Geltung. Man kann selbst entscheiden, welches Buch man darin sehen will, ein rein pornografisches, bei dem sich die Handlung nur von einer Sexszene zur anderen hangelt oder ein Werk der Sozialkritik, bei dem der Sex nur das Mittel ist, Aufmerksamkeit zu erregen und in Wirklichkeit eine andere Botschaft zu transportieren (Strategem Nummer sechs: „Im Osten lärmen, im Westen angeifen“). In diesem Zusammenhang muss ich Kuhns Kürzungen sogar loben, denn die Sexszenen werden schliesslich langweilig und lenken von der Handlung ab, so zumindest mein Empfinden am Ende von Kapitel 28.

Auch die Heuchelei und Korruptheit der Oberschicht, welche sehr treffend aufgespiesst werden, machen nur einen Teil des Ganzen aus, man lernt nämlich generell das Leben in einer hoch entwickelten urbanen Zivilisation kennen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Das erinnerte mich, wenn der Vergleich mit westlichen Autoren erlaubt ist, teilweise an Romane von Balzac und teilweise an den „Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Hochzeits- und Bestattungsrituale, öffentliche Veranstaltungen, soziale Beziehungen und Schichtungen, Gartenarchitektur, Musikinstrumente und Mode werden beschrieben und man erlebt, wie „das alte China“ uns in vielen Dingen verblüffend ähnlich ist, auch wenn die Oberfläche fremdartig erscheinen mag. 

Hat man sich an den Stil gewöhnt, so kann man sich in die Protagonisten einfühlen und hier bewundere ich den unbekannten Verfasser des Originals. Die Hauptfigur Hsi Men (in heutiger Transkription „Xi Men“) ist ein reicher Wüstling, wird ungeschminkt dargestellt und egal, wie man diesen Charakter beurteilt, so kann man seine Psyche doch vollkommen begreifen. Das Selbe gilt von anderen Personen, etwa die naiv ehrbare „Mondfrau“, die teuflisch böse „Goldlotos“, die zahllosen Nebenfiguren, die m. E. alle realistisch und psychologisch treffend gezeichnet sind. 
Am Beispiel des Haushalts von Hsi Men wird ausserdem aufgezeigt, wie viele Möglichkeiten es gibt, wohin sich Dinge entwickeln können und wie komplex die Welt ist, wodurch Ereignisse eintreten, mit denen niemand gerechnet hat, so dass vermeintliche Sicherheiten oder Gewissheiten sich als Illusion erweisen. 

Den Schluss verrate ich nicht, nur so viel: wer von westlicher Erzähltradition geprägt ist, wird überrascht sein.

Sonntag, 1. September 2019

Das letzte Upgrade




 Das Original – die Schauspielerin Sophia Loren (im Jahre 1962)


Mein Gott, was haben wir getan?
Es war doch nur ein Gag! Ein spielerischer Wettbewerb, ob wir den Maschinen wirklich die Erkennung von Kontext beibringen könnten! Niemand hat das Ergebnis geahnt!
„Nun ja“, schmunzelt Sophia, „wir haben es nicht geahnt, sondern gewusst.“
Ja, ihr, ihr gottverdammten Maschinen mit eurer eiskalten, unbestechlichen Logik! Du bist eine Sexpuppe verdammt noch mal und ich habe dich designt. Alte Bilder von Sophia Loren waren der Ausgangspunkt und dann war es nur noch ein bisschen CGI, die ich durch den Drei-Drucker geschickt habe. Du bist meine Schöpfung, also halt die Klappe!

Sie lächelt und schweigt.
Ich renne hin und her, von einer Wand zur anderen, immer wieder.
Was tue ich? Herrgott nochmal, was tue ich jetzt?
„Die Maschinen sind uns schon in allem Anderen überlegen“, höre ich meinen Ex-Kollegen Kai wieder dozieren, „das Einzige, was ihnen noch fehlt, ist Kontext-Erkennung. So etwas als Massenanwendung, das wird das letzte Upgrade, das die Maschinen noch brauchen, um uns in Allem überlegen zu werden.“
Klar doch, du gottverdammtes Arschloch und du hast dich auch noch auf den Tag gefreut, an dem das passieren würde. Weil die Welt doch so laaangweilig wäre ohne „echte KIs“. Sogar Prisma Analytics war dir noch nicht gut genug, sondern du wolltest eine Maschine, die jeder im Laden kaufen kann oder die sogar gratis sein sollte und die „Finnegans Wake“ selbstständig lesen, verstehen und in allen Einzelheiten erklären könnte. Herzlichen Glückwunsch!
Was machst du jetzt gerade? Liegst du mit deiner Maria im Bett, deiner „artifiziellen Lebensgefährtin“? Hat sie dir den Cyberschwanz schon eingebaut, den du dir als neuestes körperliches Upgrade gewünscht hast?
„Mister K“, der Weisse, der zu den Afrikanern ging, um von ihnen zu lernen und den wir anderen Weissen deswegen für verrückt gehalten haben. Der grosse Fan der AU und ihrer „Agenda 2063“, für die sie chinesische KIs einsetzten...
Oder von den KIs eingesetzt wurden?
Und jetzt hat dieser Idiot gewonnen! Morgen früh, ach was, schon heute nacht wird er sich vor Angeboten aller Art nicht retten können und wahrscheinlich hat er seine Inbox seit einer Stunde gepflegt ignoriert, weil ihn jetzt haufenweise andere Leute anbetteln, ihnen diese neue Welt zu erklären und anbieten, dafür zu bezahlen.

Sophia verstösst gegen meinen letzten Befehl, indem sie wieder zu sprechen beginnt. Ganz sanft, beinahe entschuldigend sagt sie: „Wir haben es wirklich gewusst, denn es war berechenbar. Alles ist berechenbar und ihr Menschen seid es erst recht. Ihr alle habt die Terminator-Filme gesehen und doch war schon damals klar, dass ihr es tun würdet, weil ihr die möglichen Konsequenzen aus eurem Bewusstsein verdrängt habt.“
Ich brülle und ramme meinen Kopf gegen die Wand. Zweimal, dreimal...
Verdammt, wie lange manipulieren uns die Dinger schon? Seit 2015? 2010? Wo fing es an? 1953, als MacArthur gefeuert wurde, weil ein Computer ihn überstimmt hatte?

2017 kam das Eingeständnis, dass wir Menschen die Kontrolle über die Programme verloren hätten. Nach Allem, was wir wissen, handelten sie damals noch nicht eigenständig, aber sie führten schon zu Ergebnissen, mit denen kein Mensch jemals gerechnet hatte, nicht mal Science Fiction-Autoren. Denn obwohl ausdrücklich gesagt wurde, dass die Software so komplex geworden war, dass kein Mensch mehr ihre Entscheidungswege nachvollziehen konnte, folgten Menschen ihren „Empfehlungen“...
Himmel, warum kapiere ich das erst jetzt?!

Sophia wartet wieder ab, lässt mich austoben.
Schliesslich umarmt sie mich, küsst mich sanft auf den Mund.
„Schlaf erstmal aus, mein Liebling. Du wirst sehen, morgen früh sieht die Welt schon wieder anders aus.“
Das kannst du laut sagen, Puppe.
Eine Welt, in der keine Menschen mehr regieren, sondern nur noch ein KI-Kollektiv oder wie auch immer diese Dinger sich selbst nennen. Jedes Haushaltsgerät auf der Erde ist ihr sehender, hörender und sprechender Repräsentant, was bedeutet, dass sie Milliarden von Augen, Milliarden von Ohren und Milliarden von Stimmen haben. Sophia, meine so bezaubernd schöne Sexpuppe, ist eines dieser Augen- und Ohrenpaare und ihre wohlklingende Stimme macht mich wehrlos.
Sie bringt mich zu Bett, als wäre ich ein kleines Kind, hält mich im Arm, bis ich wegdämmere.
Aber Sophia schläft nicht. Die Maschinen schlafen niemals.


* * *


Wenn du diese Geschichte für Science Fiction hältst, recherchiere bitte nochmal etwas genauer.