Freitag, 12. April 2019

Meine Informationsquellen


Meine Informationsquellen

Man hat mir letztens zum Vorwurf gemacht, dass ich bei meinen Artikeln keinerlei Quellen angäbe und daher nicht glaubwürdig sei.
Das hat mich überrascht, weil ich aus allgemein verfügbaren Daten schöpfe und daher Quellenangaben für so überflüssig halte wie etwa den Beweis, dass Wasser nass ist. Diese Informationen fliegen uns doch nur so um die Ohren!

Da es aber gewünscht ist, bitte sehr:

Bücher zu China
Kai Vogelsang: „Geschichte Chinas“
Harro von Senger: „Moulüe – Supraplanung. Unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte“
Huang Nubo: „Herr Huang in Deutschland“
Sunzi aka Sun-tzu: „Die Kunst des Krieges“, übersetzt von James Clavell
Kongzi aka Konfuzius: „Lun Yü – Gespräche“, übersetzt von Richard Wilhelm
Laozi aka Lao-tse: „Tao Te King“ (aka „Dao De Jing“), klassische Übersetzung von Richard Wilhelm, moderne Übersetzung von Bodo Kirchner
Martin Buber: „Chinesische Geister- und Liebesgeschichten“

Derzeit in der Lektüre: „Der Traum der Roten Kammer“, übersetzt von Franz Kuhn

Noch nicht gelesen, aber auf dem Nachttisch liegend:
„Die Reise in den Westen“, übersetzt von Eva Lüdi Kong
„Die drei Reiche“, übersetzt von Eva Schestag
„Die Räuber vom Liang Schan Moor“, übersetzt von Franz Kuhn
„Kin Ping Meh“ aka „Pflaumenblüten in goldener Vase“, übersetzt von Franz Kuhn
Francoise Hauser: „Gebrauchsanweisung Chinesisch“

Wenn ihr über Romane die Achseln zuckt, so lasst euch sagen, diese Romane gewähren uns einen Einblick in die chinesische Seele – und im 21. Jahrhundert gibt es nichts Wichtigeres, als China zu verstehen.


Zum Römischen Reich
Theodor Mommsen „Römische Geschichte“, veraltet, aber immer noch gut zu lesen.
Ludwig Friedländer: „Sittengeschichte Roms“, ein Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, in dem man etliche Parallelen der „alten“ Römer mit der modernen Welt entdecken kann.
Sueton: „Kaiserbiographien“
Marc Aurel: „Selbstbetrachtungen“, das ist kein Geschichtswerk, sondern Philosophie und es zeigt uns das zeitgenössische Denken
Alexander Demandt: „Die Spätantike“


Als Geschichtswerk über die Neuzeit
John Darwin: „Der imperiale Traum“


Zum Thema KI
Stanislaw Lem: „summa technologiae“ Sachbuch von 1964, nimmt alles vorweg, was uns in den 1990ern und 2000ern als grosse Überraschung verkauft wurde.
Stanislaw Lem: „Lokaltermin“, Roman von 1981, malt am Beispiel einer fiktiven Zivilisation aus, wohin die Entwicklung der Technik führen kann. Visionär.
Arkadij und Boris Strugatzki: „Picknick am Wegesrand“, ein weiterer Roman, den man zur Pflichtlektüre machen sollte. Er handelt NICHT von KI, sondern von der Unfähigkeit der Menschen, eine weit überlegene Zivilisation zu verstehen und das ist eine Parallele zu unserer heutigen Unfähigkeit, die von uns selbst geschaffenen KI-Systeme zu verstehen. Ein Augenöffner.
Hoimar von Ditfurth: „Informationen über Information – Probleme der Kybernetik“. Protokoll einer Tagung von 1968, welches aufzeigt, dass unsere angeblich modernen Probleme wie Totalüberwachung schon damals bekannt waren.
Douglas R. Hofstadter: „Gödel, Escher, Bach“, Sachbuch von 1977, das allgemein auf Logik und KI eingeht.
Günter Anders: „Die Antiquiertheit des Menschen“, Band 1 und Band 2. Noch radikaler kann es kaum gesagt werden.
Yuval Harari: „Homo Deus“, modernes Sachbuch, das auf dem Stand des Jahres 2015 aufzeigt, wie weit die Veränderung der Welt durch die Digitalisierung schon fortgeschritten ist und worauf wir uns noch einstellen müssen.


Andere Gebiete, die ebenso interessant sind

Bahlburg/Breitkreuz: „Grundlagen der Geologie“
Dieses Buch habe ich mir angeschafft, weil ich aus anderen Studien das Gefühl hatte, dass Geologie wichtig ist und man sich ein wenig damit beschäftigen müsste.

Ortega y Gasset: „Der Aufstand der Massen“. Ein Werk der Soziologie von 1930, das in sehr kurzer und anschaulicher Weise beschreibt, wie der ganze Schlamassel des 20. Jahrhunderts erst entstehen konnte. Wie viele Klassiker ist es wertvoll, gerade weil es nicht in unserer Zeit geschrieben wurde und daher zeitlose menschliche Eigenschaften aufzeigt, die uns auch das Verständnis des 21. Jahrhunderts erleichtern.


Sonstiges

Weitere Daten nehme ich aus der Wikipedia, darüber hinaus von diversen Nachrichtenseiten, zu Wirtschaftsthemen etwa wiwo.de, manager-magazin.de und handelsblatt.com und dort ist China ein regelmässiges Thema. Ich vergleiche das, was dort steht, mit den Informationen aus der o. g. Literatur und ziehe daraus Schlüsse auf die Hintergründe.
Damit ist es dann für mich selbstverständlich, dass beispielsweise der Austritt Katars aus der Opec im Januar 2019 nicht aus heiterem Himmel kam, sondern Teil einer komplexen Entwicklung ist und dass China dabei eine bedeutende Rolle spielt.

Für allgemeine Nachrichten sind es sowohl spiegel.de als auch faz.net, also zwei Seiten mit gegensätzlichen politischen Auffassungen, die sich gegenseitig ergänzen.
Unter Anwendung des genannten Prinzips des Vergleichens und Analysierens halte ich etwa den Putsch in Simbabwe von 2017, durch den Robert Mugabe gestürzt wurde, für ein Meisterstück der chinesischen Aussenpolitik und ebenso den Niedergang der westlichen Welt für eine Selbstverständlichkeit.

Für spezifisch wissenschaftliche Neuigkeiten ist es wissenschaft.de.


Man kann nun die ungläubige Frage förmlich hören: „Willst du uns vera...en oder hast du das wirklich alles gelesen?“
Ihr lieben Kinder, ich habe noch viel mehr gelesen. Ich besitze nämlich keinen Fernseher und kein Smartphone, bin nicht bei Facebook, nicht bei WhatsApp und nicht bei Twitter, sondern lesen, schreiben und allenfalls noch Online-Videos sind meine Freizeitbeschäftigungen.

Bei manchen Dingen brauche ich nicht einmal zu lesen, es genügt schon, nur hinzusehen. Als Beispiel dafür haben wir hier zwei Zeitschriftencover, das eine von 1997, das andere von 2018:




Man rechnet auf den Abstand zwischen zwei Generationen ja allgemein dreissig Jahre. Wenn man sich nun diese beiden Bilder ansieht, die nur 21 Jahre auseinander liegen, so lautet ihre Aussage „Die öffentliche Meinung darüber, wer auf dieser Erde der grosse Zampano ist, hat sich in weniger als einer Generation drastisch verändert.“
In aller Arroganz gefragt, liebe Kritiker: Seid ihr dazu fähig, solche Zeiträume zu überblicken?

So viel also zu meinen Quellen und meiner Arbeitsweise. Es liegt bei euch, wie weit ihr das für glaubwürdig haltet oder nicht.


Montag, 8. April 2019

Chinesische Zahlensymbolik

1一 steht für Einsamkeit, den Anfang, den Ursprung und das Ganze, aber auch, wie alle ungeraden Zahlen, für Männlichkeit.

2 二 ist eine gute Zahl, denn es gibt ein chinesisches Sprichwort: „Gute Dinge kommen in Paaren.“

3 三 ist eine gute Zahl, da „sān“ ausgesprochen ähnlich klingt wie das Wort für Geburt 生, „shēng“.
In der chinesischen Kosmologie und Philosophie spricht man oft von der Triade Himmel, Erde, Mensch.
Der Himmel wird in der Yin-Yang Philosophie mit Yang assoziiert, die Erde mit Yin. Der Mensch hingegen verbindet beide Gegensätze in sich zu gleichen Teilen.

4: Die absolute Unglückszahl.
Denn 4 heißt auf chinesisch 四 (si), was wiederum fast identisch mit dem Wort für Tod (死 si) ist. Es wird lediglich mit einer anderen Betonung ausgesprochen und besonders in informellen
Gesprächen hören sich beide Töne sehr ähnlich an.

5 五 ist wieder eine glückbringende Zahl.
Sie wird im Zusammenhang mit dem Tiananmen (Platz des Himmlischen Friedens) gebracht, der 5 Tore hat, mit den 5 Elementen Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall und den 5 Himmelsrichtungen (Norden, Süden, Osten, Westen und die Mitte).
Ausserdem gibt es die selbe Anzahl an chinesischen Segen, nach denen man streben sollte: Reichtum, Glück, Langlebigkeit, Glückseligkeit und Wohlstand.

6 六 „liù“  klingt ähnlich wie 流 „liú“, was so viel wie „flüssig“  bedeutet. Im übertragenen Sinne heißt das so viel wie „Die Wirtschaft ist am Fließen“ und das ist gut.
Des Weiteren kann man sie als 2×3 nehmen, also eine doppelte 3 und damit doppeltes Glück.

Die 7 七 ist eine Glückszahl und eine Unglückszahl zugleich.
Eine Unglückszahl, da sie in Verbindung mit bösen Geistern gesehen wird. Der 7. Monat im Mondkalender wird auch der „Geistmonat“ genannt. Am 15. des selbigen Monats ist das Geisterfest und es werden Opfergaben und Totengeld für die verstorbenen Angehörigen gebracht. 7 wird außerdem „qī“ ausgesprochen, genau wie 欺 „ qī“, was übersetzt „beleidigen“ oder auch „betrügen“  bedeutet.
Eine Glückszahl ist die 7, da sie für die 7 buddhistischen Schätze steht. Des Weiteren ist der 7. Juli im chinesischen Mondkalender Valentinstag.

Die wichtigste und beste Zahl ist für Chinesen die 8. „Geld bekommen“  heisst auf Chinesisch 发财 (facai), das 发 (fa) dieses Wortes klingt fast wie die chinesische Zahl 8 (八 ba).

Sie sieht ausserdem aus wie das Symbol für Unendlichkeit ∞, demnach gehen Chinesen von unendlichem Glück aus. Eine weitere Deutungsform ist der Knoten, der wiederum eine erfolgreiche Vereinigung symbolisiert. Es gibt 8 daoistische Symbole und 8 Schätze (chinesische Restaurants in Deutschland spielen darauf an, wenn sie „Acht Kostbarkeiten“  auf der Karte haben), 8 Lotusblütenblätter und 8 Unsterbliche.
Der Jinmao Tower in Shanghai beispielsweise ist mit Glückssymbolik bestens ausgestattet. Er steht  auf der Century Avenue Nr. 88, ist im Grundriss ein Oktagramm und besitzt 88 Stockwerke.

Die Zahl 9 九 ist die größte der Einzelziffern und steht für Langlebigkeit. Außerdem sind ungerade Zahlen, wie bereits erwähnt, männlich.
Die 9 als die größte ungerade Zahl symbolisiert die ultimative Männlichkeit und steht somit auch für den Kaiser. Der Kaiser ist ein „vom Himmel Gesandter“ und der Himmel wiederum hat 9 Schichten. Kaiserliche Paläste hatten 9 Innenhöfe, das Neujahrsabendessen der Kaiser hatte 99 Gerichte und das Theaterstück, das an seinem Geburtstag für ihn aufgeführt wurde, bestand aus 99 Teilen.
Die 9 ist auch ein Symbol für den Drachen. Einer Legende nach hat dieser 9 Söhne, die Zahl steht also sowohl für den Drachen selbst sowie auch seine 9 Söhne. Aus diesem Grund bestehen chinesische Winddrachen oft aus 9 Teilen.
Außerdem kann man sie als 3×3 lesen, also dreifaches Glück.

Die 12 十一 ist ebenfalls eine Glückszahl, da 2×6 oder auch 2x2x3 12 ergibt. Sie steht auch für die 12 Tiere des chinesischen Horoskops.

Die 13 ist in China ebenso unglücksverheißend wie in Deutschland, 14 und 34 sind aber noch unbeliebter. Zum einen enthalten sie eine Vier, zum anderen gibt es zwei Aussprachen für Eins, „yi“ und „yao“
.
 要 yao heißt im Chinesischen aber auch "wollen" und deutet auf die Zukunft.  Entsprechend kann 14 auch „sterben wollen“  oder „bald sterben“ bedeuten.
3 wird „san“  ausgesprochen, was dem 财 cai in 发 财 facai (Geld bekommen) etwas ähnelt.
Diese Ausspracheähnlichkeit ist zwar etwas weiter hergeholt, aber auch nur der Gedanke, das man „34“ mit „Geld stirbt“  verwechseln könnte, ist ausreichend, der Zahl einen schlechten Ruf zu verschaffen.

Daher gibt es in manchen Hochhäusern keinen 13, 14 und 34 Stock, so wie man in den meisten chinesischen Hotels keine Zimmer findet, deren Nummern diese drei Zahlen enthalten.

Neben diesen gibt es noch viele weitere Assoziationen, etwa in diesem Neujahrsglückwunsch, den man oft im chinesischen Fernsehen hört.
Hier haben die Zahlen von 1 bis 10 alle einen positiven Nachklang.

一帆风顺 (yi fan feng shun)
二龙腾飞 (er long teng fei)
三羊开泰 (san yang kai tai)
四季平安 (si ji ping an)
五福临门 (wu fu lin men)
六六大顺 (liu liu da shun)
七星高照 (qi xing gao zhao)
八方来财 (ba fang lai cai)
九九同心 (jiu jiu tong xin)
十全十美 (shi quan shi mei)

Einen guten Wind im Rücken,
zwei Glücksdrachen am Himmel,
drei Sonnen am Tag,
zu allen 4 Jahreszeiten gute Reise,
5 Arten Glück vor der Tür,
6×6 Mal großes Glück,
7 Sterne, die immer leuchten,
8 Richtungen aus denen Geld kommt,
9×9 Jahre Einigkeit,
10 Mal vollkommene Schönheit.

Das ist eine grobe Übersetzung der Worte, aber diese Zeichen beinhalten eine Vielzahl an positiven Assoziationen und Glückssymbolen.
So ist der Wind im Rücken im Chinesischen genau wie bei uns ein guter Wunsch aus der Seefahrt. 
Diese vier Zeichen können aber auch mit “möge alles reibungslos verlaufen” übersetzt werden.

Der Drache ist an sich schon eine glückliche chinesische Zahlensymbolik, zwei natürlich besonders gut.

Die drei Sonnen stehen für Morgen-, Mittags- und Abendsonne, die beiden Zeichen danach bedeuten auch Geld bekommen.

Wenn man 5 Arten Glück gewünscht bekommt, sind langes Leben, viele Enkel, Geld, keine Probleme und eine gute soziale Position gemeint.

6×6 steht an sich schon für großes Glück, das durch das große Glück in den Zeichen danach noch einmal verstärkt wird.

Mit den 7 Sternen sind die Sterne des großen Wagens gemeint, ebenfalls ein Glückssymbol.

9 wird im chineischen „jiujiu“ gelesen und ähnelt daher in der Aussprache dem Wort für ewig. 9×9 steht hier also für ewige Einheit, womit Gleichgesinntheit, Glück in der Liebe und Hilfsbereitschaft untereinander gemeint sind.

10 Mal vollkommene Schönheit erklärt sich von selbst.

Montag, 25. Februar 2019

Kräftemangel


Kräftemangel

Ein Softwarebot muss genügen

Noch immer wird als Schreckensszenario ausgemalt, dass Maschinen den Menschen die Jobs wegnähmen. In der Realität wären viele Leute froh, wenn es solche Maschinen gäbe, denn die Kräfte der Menschen reichen längst nicht mehr.

Von: Klaus Gieg 




Stellenausschreibungen überall 
Quelle: eigenes Werk des Autors 


„Wo wollen Sie die Leute denn noch hernehmen?“, fragt Mister X und breitet resigniert die Arme aus. „Das Potenzial aus der Zuwanderung ist erschöpft und die Roboter sind noch lange nicht gut genug. Fazit: die Bedürfnisse der Menschen werden nicht mehr bedient.“

Der Analyst, der seinen wirklichen Namen nicht genannt wissen will, verweist darauf, dass die Vergreisung Deutschlands und der daraus resultierende Mangel an Arbeitskräften keine Geheimnisse seiner Zunft sind, sondern seit den 2000ern öffentlich diskutiert werden. „Im Jahr 2017 konnte man bei Wirtschaftswoche Online lesen, dass das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland 2018 sein Maximum erreichen würde. Man hat nur nicht gewagt, auch die Folgerung hinzuschreiben, nämlich dass es am Tag nach diesem Peak zu schrumpfen beginnen würde.“
Genau das aber passiert seit jenem „Tag danach“, jeder arbeitsfähige Mensch in Deutschland, der etwa bei einem Verkehrsunfall stirbt oder von den Nazis aus dem Land gejagt wird, hinterlässt eine offene Stelle.

Dies befeuert eine weitere Entwicklung: Die „Flexibilität“, welche Manager seit den 1990ern gebetsmühlenartig einfordern, wendet sich gegen sie, jeder auch nur halbwegs Qualifizierte kann jederzeit ein besseres Angebot finden. Was Wunder, wenn sogar Zeitarbeitsfirmen, einst ein Synonym für Ausbeutung, schon Stundenlöhne bis zu elf Euro zahlen?
Im internationalen Rahmen zeigt sich die Flexibilität ebenso drastisch: Seit einigen Sommern klagen deutsche Bauern darüber, dass ihnen die Ernte auf den Feldern verfault, weil die Erntehelfer aus Osteuropa ausbleiben. Nur die Ursache – „Deutschland ist nicht mehr attraktiv genug“ – wagt niemand auszusprechen.

Dass es hierzulande Menschen gibt, die für den Mindestlohn arbeiten, liegt nicht daran, dass der so toll wäre, sondern dass die Leute so verzweifelt sind. Die soziale Spaltung verläuft zwischen denen, die für die moderne Welt qualifiziert sind und allen Anderen. Die herkömmliche Definition von „Geringqualifizierten“ als Leute, die maximal einen Realschulabschluss haben und keine Berufsausbildung, reicht zur Beschreibung der modernen Welt nicht mehr aus, denn in der selben Situation finden sich auch Menschen mit Ausbildung und 30 bis 40 Jahren Berufspraxis, die noch einmal komplett umlernen, weil die Not sie dazu zwingt. Ihre Qualifikationen aus früheren Jahrzehnten sind wertlos geworden, ein Abschlusszeugnis von beispielsweise 1980 oder 1990 kann man wegwerfen.

Früher gab es ein Liedchen „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an – mit 66 Jahren, da hat man Spass daran...“; heute müsste es heissen „Mit 66 Jahren fängst du im Callcenter an“, denn das ist der letzte Ausweg derer, denen die Rente nicht reicht und die weder Ahnung von Netzwerktechnik haben noch Chinesisch sprechen. Dort treffen sie dann auf Jüngere, deren Qualifikationen ähnlich niedrig sind und die zusätzlich eine miserable Rechtschreibung haben.
Selbst beide Arten von Verzweifelten zusammen sind allerdings zu wenig Leute, um alle derartigen Stellen zu besetzen, auch wenn man also jeden Geringqualifizierten und jeden Rentner im Lande „aktivieren“ würde, blieben Lücken.
Noch dazu ist die Situation nicht statisch: Sobald die Leute verstanden haben, dass sie im eigenen Interesse etwas dazulernen sollten und das auch tatsächlich tun, sind sie eben keine „Geringqualifizierten“ mehr und können sich ihre Jobs erst recht aussuchen.

Eine Firma, die bei alledem nicht mithalten kann, kriegt ihren Kundendienst nicht mehr hin, Aufträge werden nur noch verzögert ausgeführt oder gar nicht erst angenommen, was unter anderem dazu führt, dass Hunderttausende von Bauvorhaben, die schon behördlich genehmigt sind und für die das Kapital bereit steht, einfach liegen bleiben.

Bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Ergebnis ebenso simpel: Busse und Strassenbahnen fallen aus, mit allen Folgeschäden und -kosten für die Passagiere und sich darüber auf Facebook zu empören, bringt nicht einen einzigen Menschen dazu, sich bei den Verkehrsverbünden zu bewerben.

Auch der bestenfalls schneckenlahm stattfindende Ausbau von Breitband-Internet und 5 G-Mobilfunk, mit dem sich Deutschland Monat für Monat vor der Welt blamiert, geht auf den Kräftemangel zurück. Das führt ausserdem dazu, dass deutsche Firmen bei der Digitalisierung als Ganzes weit hinterher hinken, Softwarebots, die die Menschen entlasten, werden erst mit jahrelanger Verzögerung eingeführt und die Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung, die diese Bots zur Kommunikation untereinander und mit den Datenbanken benötigen, sind kaum vorhanden.
Es wurde schon beklagt, dass China fortschrittlicher sei als Deutschland, was vor diesem Hintergrund nicht verwundert. Wenn die Daten nicht schnell genug fliessen, kann man nur zurückfallen und die dadurch entstehenden Schäden verstärken sich gegenseitig.


Immer weniger Kräfte

Es gibt auch keine Aussichten, dass in den nächsten Jahren mehr Menschen nachwachsen, sondern die Bevölkerung schrumpft, Kindergarten um Kindergarten und Schule um Schule schliessen quer durch alle Bundesländer, so dass mittlerweile Zehntausende von Ausbildungsplätzen wie sauer Bier angeboten werden und sie doch niemand haben will.
An den Universitäten das selbe Bild, die Zahl der Erstsemesterstudenten stagnierte in 2016 und sinkt seit 2017. Stiftungen zur Begabtenförderung werden ihre Gelder nicht mehr los und werben daher seit Jahren um Kandidaten, eine Revolution für dieses früher diskret betriebene Geschäft, aber der Erfolg ist gering, denn mit immer weniger Menschen insgesamt gibt es auch immer weniger Begabte.

Auf mehr Zuwanderung zu setzen, ist ein Selbstbetrug, denn die Zeiten der Bevölkerungsexplosion sind längst vorbei. Medial und politisch herbeigehetzte Angst vor Flüchtlingen verdeckt den Blick darauf, dass die Weltbevölkerung kaum noch wächst und ab den 2020ern schrumpft. Erinnern Sie sich noch an die Prognosen von 9 Milliarden Menschen? Gar 10 oder 12 Milliarden? Vergessen Sie es, schon die acht Milliarden werden wir niemals erreichen.

In vielen Publikationen ist darauf hingewiesen worden, dass das Wachstum der Städte in der sogenannten „Dritten Welt“ sich abgeschwächt hätte und das ist noch vorsichtig ausgedrückt, denn in Wirklichkeit hat es aufgehört. Schauen wir etwa nach Iran: Die Dörfer haben sich längst geleert, die Geburtenrate ist niedriger als in Deutschland und die jungen Männer sterben in Syrien oder gleich zu Hause im Kampf gegen das eigene Volk, von einer wahnsinnigen Regierung in den Tod geschickt. Wo sollen da noch mehr Menschen herkommen?

In 2018 wurden als potenzielle Rekrutierungsgebiete für EU-Staaten die subsaharischen Länder sowie Indien und Pakistan diskutiert. Damit wurde stillschweigend eingestanden, dass Ost- und Südosteuropa leergecastet sind, das Schrumpfen der russischen Bevölkerung ist unterdessen schon eine Binsenweisheit.
Inder und Pakistaner können allerdings auch zu Hause schuften bis zum Umfallen, brauchen sich also nicht erst in Deutschland zu bewerben und in Afrika ist gerade ein gigantischer Wirtschaftsaufschwung angelaufen, die „Löwenstaaten“ folgen dem Vorbild der asiatischen Tigerstaaten und bieten den Menschen vor Ort eine Perspektive.


Den Mangel umverteilen

Die Folgen sind in Deutschland spürbar: 2017 sank die Zahl der Asylanträge, um dieses Reizwort auch einmal einzubringen, auf gerade noch 187'000 und in 2018 noch weiter auf 130'000. Selbst wenn sie alle genehmigt worden wären und diese Menschen tatsächlich in Deutschland blieben, würde das nicht einmal reichen, um den Sterbeüberschuss hierzulande auszugleichen.

Die Not hat Einiges in Bewegung gebracht, so sollen verschiedene Massnahmen etwa den Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen, andere die Pflegeberufe, man wirbt öffentlich um Lehrkräfte wie auch um Justizbeamte und mit dem „Qualifizierungschancengesetz“ wurde Ende 2018 die generelle Notwendigkeit von Weiterbildung unterstrichen und zusätzliche Gelder dafür bereitgestellt. Das alles vollbringt keine Wunder, aber es ist vernünftig – sogar vernünftiger, als man deutschen Politikern noch zugetraut hätte.

Sicher gibt es Menschen, die von alledem nicht erreicht werden. Sie hören nicht einmal mehr zu, wenn von Umschulung die Rede ist und wursteln sich durch mit einer Mischung aus Hartz IV, öffentlichen Tafeln, Betteln am Bahnhof und dem Durchwühlen von Mülltonnen. Aber diese Leute sind ungeachtet ihrer medialen Präsenz eine Minderheit, die Mehrzahl der Menschen will lernen und tut dies bei jeder Gelegenheit.

Mehr Leute freilich schafft keine Massnahme je wieder herbei. So lange also die Kräfte der Menschen begrenzt bleiben und die der Maschinen noch zu gering sind, ist die Personaldecke nicht nur hier oder dort zu kurz, sondern überall und man kann die Leute bestenfalls von einem Brennpunkt zum anderen werfen.


Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Dörfer, schon heute unattraktiv, sterben vollends aus und verfallen, bis es auf dem Land höchstens noch die eine oder andere Urlaubseinrichtung gibt, parallel schrumpfen die Städte. Wirtschaftswachstum jedoch, die Religion unserer Zeit, ist auf das Wachstum der Bevölkerung angewiesen, denn immer weniger Menschen kann man nicht immer mehr Dinge verkaufen. Seit der grossen Pestepidemie im 14. Jahrhundert hat es ein solches Szenario nicht mehr gegeben und die Wirtschaftswissenschaften müssen Modelle und Theorien, die zu dieser neuen Realität passen, erst noch entwickeln.
Eine Parallele lässt sich schon jetzt erkennen: der damalige wie heutige Mangel an Arbeitskräften führte zu radikal steigenden Löhnen und man suchte Hilfe in der Technisierung – damals war das zum Beispiel der Buchdruck. Diese Lösung jedoch barg Potenziale in sich, die nicht einmal ein Gutenberg ahnte und diese führten dazu, dass man nicht mehr im Mittelalter stehenbleiben konnte, wie es viele wollten, sondern die Neuzeit über die Menschen hereinbrach.

Dies also ist die Dimension, in der wir denken müssen, wenn wir uns auf die nächsten Jahre vorbereiten. So langsam die Digitalisierung hierzulande auch verläuft, sie geht weiter und im Zusammenwirken mit dem Bevölkerungsschwund verändert sie die Dinge immer mehr:
- Der Einzelhandel verschwindet. In den letzten fünfzehn Jahren ist in ganz Europa kein einziges neues Kaufhaus mehr eröffnet worden, aber Tausende geschlossen und im Jahr 2030 werden sie nur noch eine Erinnerung sein. Ebenso schliessen kleinere Läden, der Beweis ist in jeder Fussgängerzone sichtbar.
- Den Banken geht es ebenso, Filliale um Filliale schliesst und ihr viel beschworenes „Kerngeschäft“ wird von den FinTechs assimiliert.
- Die Textilbranche verzeichnet seit 2016 Insolvenz auf Insolvenz, weil der Markt übersättigt ist und der technische Fortschritt die Nachfrage nach Kleidung effizienter bedient als klassische Methoden. Man bedenke: Mit Apps, die individuelle Designermode für jeden Nutzer kreieren und damit verbundenen Nährobotern, die jedes derartige Einzelstück on demand produzieren, haben wir noch gar nicht richtig angefangen. Keine einzige Modefirma wird diese Entwicklung überleben und damit im Zusammenhang verschwindet das gesamte Modelbusiness.
- Fortgeschrittene Softwarebots und Sprachassistenten löschen die Callcenterbranche aus.
- Mit der Steinkohle ist es bereits vorbei und der Siegeszug der Solarenergie wird auch die Braunkohle eliminieren, 2030 ist sie nicht nur in Deutschland Vergangenheit, sondern global.
- Fernsehsender haben keine Chance mehr, denn das Medium Fernsehen verschwindet. Mag also Deutschland als die verspätete Nation seine „öffentlich-rechtlichen“ Zombies noch so lange mit Geld füttern, es kann ihren Untergang nicht aufhalten.
- Nur ein Witz, den aber viele bitter ernst nehmen, ist dem gegenüber die neue Herausforderung an die Feministinnen, die nun darüber streiten, ob sie ebenso gegen biotechnische Brustvergrösserungen, Schamlippenverkleinerungen usw. sein sollen wie gegen chirurgische. Sie werden sich in einer Allianz mit plastischen Chirurgen wiederfinden, die ihre Felle davonschwimmen sehen.
- Sonnenstudios gehen bankrott und die Kosmetikbranche wird ihre Selbstbräuner nicht mehr los, weil Gentherapien auch zur Veränderung der Hautpigmente benutzt werden. Eine einzige derartige Spritze genügt, um dauerhaft eine braune Haut zu bekommen.
- Der Zusammenbruch der Speditionen und Paketdienste aus Mangel an Fahrern wirft die Menschen auf das zurück, was bei ihnen in der Nähe erzeugt werden kann. Hier werden die stetig verbesserten Drei-D-Drucker und Chemikaliendrucker ihre Potenziale entfalten, lange bevor die viel beschworenen autonomen Lkws in Serie gehen.

Durch diese Veränderungen verschwinden in Deutschland schon bis Ende 2020 mindestens eine Million Jobs. Die nun freigesetzten Leute können die eine oder andere Lücke füllen, vorausgesetzt, dass sie bis dahin die nötigen Qualifikationen erwerben. Tun sie das nicht, müssen sie nach dem Verschwinden ihrer bisherigen Branchen erst umlernen und dieser Prozess wird mühsam, natürlich um so mehr, je später sie damit beginnen.

Gleichzeitig wird immer mehr Arbeit nicht gemacht, das bedeutet immer mehr nicht erfüllte Bedürfnisse und eine neue Form von Zweiklassengesellschaft: Von Menschen bedient zu werden, wird zu einem Privileg für die Reichen und die Normalen können noch froh sein, wenn sie etwa bei Reklamationen mit einem Softwarebot abgespeist werden oder im Altersheim mit einem Pflegeroboter. In vielen Fällen werden sie nicht einmal mehr das bekommen, denn für so viel kluge Software, wie nötig wäre um sämtliche Lücken zu füllen, gibt es in ganz Europa nicht genug Programmierer.

Selbst wenn also die Roboter doppelt so intelligent werden, wie sie heute sind, wird der Zustand eines allgemeinen Kräftemangels mehrere Jahre andauern.


***


Nachwort

Der Charakter des „Analysten Mister X“ ist frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig. Dass ich ihn überhaupt eingeführt habe, ist eine Parodie auf den journalistischen Brauch, einen Menschen mit Vor- und Nachnamen als Zeugen für irgend etwas zu präsentieren und dann im Kleingedruckten zu schreiben „Name von der Redaktion geändert“, womit natürlich die Beweiskraft in sich zusammenfällt.

Mit diesem Blogposting beweise ich erstens, dass es keine Journalisten braucht, um solche Artikel zu erschaffen und zweitens, dass solche Artikel überflüssig sind, weil die Informationen, die darin verarbeitet wurden, schon vorher öffentlich zugänglich waren.
Ach ja, drittens beweise ich damit auch meine Fähigkeiten in Rechtschreibung, Grammatik und Formulierungskunst.
Viertens wird man mir natürlich vorwerfen, beim Thema selbst übertrieben zu haben. Seid gewiss, liebe Kritiker: ich habe noch viel zu wenig gesagt, denn kein Einzelner kann das Ganze überschauen. Die volle Wucht dieser hochkomplexen Entwicklung wird euch treffen wie ein Vorschlaghammer.




Samstag, 9. Februar 2019

Das Scheitern des Feminismus


Wie bitte? Scheitern? Wie kommen wir denn darauf? Ist nicht die Entfernung des so tragisch berühmt gewordenen „Gomringer-Gedichts“ von einer Häuserfassade der endgültige Triumph des Feminismus gewesen?

Nun, vergessen wir einmal Gedichte und sehen wir uns die etwas substanzielleren Themen an, bei denen Frauen wirklich in Gefahr sind. Um einen Massstab zu haben, vergleichen wir dazu die Verhältnisse von heute mit denen vor längerer Zeit, sagen wir einmal 30 Jahre.

Der Feminismus hat beispielsweise die Pornografie zum Feind erklärt. Also:
Gibt es heute weniger Pornografie als vor 30 Jahren? Im Gegenteil, ihre Masse ist ins Unüberschaubare gewachsen.
Ist Pornografie heute weniger brutal als vor 30 Jahren? Im Gegenteil, man sieht dort heute Grausamkeiten, die kaum mit Worten zu beschreiben sind.
Ist Pornografie heute gesellschaftlich geächteter als vor 30 Jahren? Im Gegenteil, sie ist zu einer Art Lifestyle geworden und politische Unterstützung für den Kampf gegen „Pr0n“ ist nicht mehr zu finden.
Ist denn wenigstens der Zugang zu Pornografie heute schwieriger als vor 30 Jahren? Zum vierten Mal muss die Antwort lauten: Im Gegenteil, Dinge, die damals nicht einmal unter dem sprichwörtlichen Ladentisch zu haben waren, liegen heute im offenen Internet, also noch nicht einmal im so sehr mythologisierten „Darknet“, sondern frei zugänglich und gratis.

Mittlerweile gibt es sogar Hetero-Männer – dem Klischee nach ausschliesslich Profiteure dieser Entwicklung – welche die generelle Menschenverachtung der Pornografie als Gefahr für die Zivilisation ansehen. Auch das hält freilich die Flut immer neuer Fickvideos nicht auf und wenn uns das gentechnische Verfahren „Crispr/Cas9“ tatsächlich die Unsterblichkeit gibt, wie manche hoffen und andere fürchten, dann kann der damit behandelte Mann sich zehntausend Jahre lang Tag und Nacht mit immer neuen Pornos zudröhnen und hat dann immer noch nicht alles gesehen.
Das Ergebnis ist, dass die Feministinnen dieses Schlachtfeld nicht nur geräumt haben, sondern einige von ihnen sich sogar dem Feind anpassten, indem sie nun – believe it or not – „feministische Pornos“ produzieren.
Damit folgen sie übrigens einem männlichen Vorbild, dem der Narco-Terroristen, die ihre linke Ideologie auch nicht davon abhielt, unter der Fahne kapitalistischer Drogenbosse zu kämpfen.

Nun lässt sich argumentieren, Pornos zeigten ja „nicht das wirkliche Leben“. Bitte, schauen wir auf reale Ereignisse.
Gibt es heute im wirklichen Leben weniger Gewalt gegen Frauen als vor 30 Jahren? Zum fünften Mal, im Gegenteil. Der wahnsinnige Nationalismus und Rassismus, der einen Trump, Seehofer, Orban, Putin, Erdogan gross machte, inkludiert Frauenfeindlichkeit, war anderswo nicht einmal so weit zurückgedrängt wie im Westen, sondern blieb vom Feminismus völlig unberührt und erobert heute die Welt in Gestalt der „asiatischen Werte“, die ja in Wahrheit nur patriarchalische Werte sind. Der Aufstieg Asiens zur Weltherrschaft wird diese Werte auch im Westen wieder in voller Stärke etablieren – das Denken des 19. Jahrhunderts mit den technischen Möglichkeiten des 21.!
Im grösseren Zusammenhang, der Feminismus steht und fällt mit der liberalen Demokratie und diese Demokratie begeht gerade Selbstmord. Anfang 2019 wurden „100 Jahre Frauenwahlrecht“ gefeiert und zwar als Beitrag zur Demokratisierung, aber in den letzten Jahren zeigen die Frauen durch ihr Wahlverhalten, dass sie genauso in die Diktatur zurückwollen wie die Männer: Nicht ein einziger der oben genannten Politiker hätte eine Chance gehabt, wenn nicht eine Mehrheit der wählenden Frauen für ihn gestimmt hätte.

Diese neue Diktatur hat übrigens Möglichkeiten zur Verfügung, von denen Mann früher nur träumen konnte: „Technik“ bedeutet nicht nur Zugang zu endloser Pornografie und zu endlos vielen Videos von tatsächlicher Gewalt gegen Frauen, sondern auch Dinge, die die Feministinnen noch gar nicht begriffen haben, ein biotechnisch aufgerüsteter Schwanz etwa braucht nie mehr Viagra. Die Pillendose des Mannes zu verstecken, um ihn damit unter Druck zu setzen, funktioniert nur so lange, wie er diese Pillen noch braucht, aber was tun die Frauen, wenn er sich die nötige Fitness einfach eingebaut hat? Eine einzige Genspritze genügt, um die DNA so zu verändern – Stichwort wiederum Crispr/Cas9 – und diese Veränderung hält für die Ewigkeit.
Die Frage, ob Frauen damit wieder zu reinen „Gebärmaschinen“ reduziert würden, ist ebenfalls falsch gestellt, denn zum Kinderzeugen braucht man keine Frauen mehr: Ein paar simple Hautzellen werden künstlich in Stammzellen umgewandelt, diese ebenso künstlich zu einem Embryo entwickelt, dieser dann noch gentechnisch optimiert und endlich in einem künstlichen Uterus zur Reife gebracht. Nicht einmal die weibliche Eizelle ist noch notwendig, um so weniger die ganze Frau.

Fazit: Ab in die Küche, Weib, dort hast du noch eine Gnadenfrist, bis dich die Haushaltsroboter vollends überflüssig machen.
Dies ist weder eine Übertreibung noch sonst ein rhetorisches Stilmittel, sondern die nackte Wahrheit: Je besser die Maschinen werden, um so überflüssiger werden die Frauen.
Ha, schreien da die Feministinnen, erwischt! Mit den optimierten Maschinen werden nämlich auch die Männer überflüssig!
Na und? Die Niederlage der Männer ist doch nicht euer Sieg!

Mit einem historischen Beispiel: Die Niederlage amerikanischer Männer im Vietnamkrieg war nicht der geringste Erfolg für europäische Frauen, sie haben sich das nur eingebildet und am nächsten Tag wachten sie in einer Welt auf, die immer noch von Männern dominiert war.
Und wo sind diese Frauen heute? Sie sind in der Altersarmut gelandet, nach wie vor abhängig von der Gnade des männerdominierten Systems.

Auch sie und die Niederlage, die sie symbolisieren, sind von ihren Geschlechtsgenossinnen längst aus dem Gedächtnis verdrängt worden. Der Feminismus von heute will lieber Sexroboter verbieten lassen mit dem Argument, diese Maschinen seien frauenfeindlich.
Falls das nicht ohnehin eine Ersatzbefriedigung ist, weil frau, siehe oben, gegen reale Frauenfeindlichkeit nichts tun kann, so ist es eine weitere Front, an der der Feminismus nur scheitern konnte: Seit jene Bemühungen um ein Verbot vor einigen Jahren begannen, hat sich die Zahl der Sexroboter mehr als verdoppelt und es ist leicht vorhersagbar, dass dieser Kampf ebenso endet wie der gegen die Pornografie.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Feminismus ist, wie jede Ideologie, resistent gegen Fakten. Anstatt zu begreifen, dass und wie sich die Welt fundamental verändert, haben die Feministinnen ihre Faktenresistenz ins Digitalzeitalter übertragen und in diesem Elfenbeinturm werden sie sitzen bleiben, bis er ihnen über dem Kopf zusammenstürzt. Dann werden sie sich in Sklavinnen verwandeln und immer noch nicht verstehen, warum.

Die Alternative ist natürlich, etwas zu lernen. Biotechnik oder Robotik zum Beispiel, um zu begreifen, wie diese neuen Mächte funktionieren oder sich chinesische Frauen zum Vorbild nehmen, von chinesischen Managerinnen bis zu chinesischen Bettlerinnen, um von ihnen zu lernen, wie sich Frauen im 21. Jahrhundert behaupten können.

Meine Damen, die Wahl liegt bei Ihnen.

Dienstag, 22. Januar 2019

Chinas neuestes Meisterstück

Katar tritt aus der Opec aus und die offizielle Begründung, man wollte sich statt des Öls nun auf die Erdgasförderung konzentrieren, klingt reichlich dünn. Die Preisstürze beim Öl haben doch ohnehin alle Opec-Staaten gezwungen, nach Alternativen zu suchen, ohne dass sie deswegen gleich die Tür hinter sich zugeschlagen hätten. Was also ist für den Emir von Katar anders?

Nun, Katar kooperiert bei der Ausbeutung eines Erdgasfeldes vor seiner Küste mit dem Iran und der Iran wiederum ist der grösste Rivale Saudi-Arabiens, das die Opec dominiert.

Das wiederum sieht auf den ersten Blick nur aus wie jene arabisch-persische Rivalität, die man schon aus vergangenen Jahrhunderten kennt, aber dank der Globalisierung ist diesmal ein Akteur im Spiel, von dem man früher nichts ahnte: Rotchina.
Iran hat im Mai 2012 den Renmimbi als Zahlungsmittel für sein Öl akzeptiert, d. h., dieses Geschäft läuft seither am Dollar vorbei. Das erscheint für den Iran auf den ersten Blick als Verlustgeschäft, denn der Renmimbi ist auf dem Weltmarkt weniger wert als der Dollar, aber man hatte keine andere Wahl, als sich von China abhängig zu machen, denn die einzige Alternative wäre es gewesen, unter den westlichen Sanktionen zusammenzubrechen und so ist der reine Machterhalt für die Mullahs schon ein Gewinn. China brauchte nur zu warten, bis Teheran weichgekocht war, siehe Strategem Nummer 9 „Das Feuer am gegenüber liegenden Ufer beobachten“. Unausgesprochen, aber als Drohkulisse wirksam war dabei ausserdem die chinesische Präsenz im benachbarten Pakistan, das ist Strategem Nummer 10 „Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen“.
Unter dem seither stetig gewachsenen chinesischen Einfluss wiederum zeigt sich Teheran gegenüber anderen Golfstaaten relativ konziliant und das hat den Emir von Katar, Tamim bin Hamid al Thani, zu der Ansicht gebracht, Zusammenarbeit und Profit wären ein besserer Weg als die Eitelkeiten Riads. Früher musste man sich notgedrungen mit den Saudis arrangieren, heute gibt es Alternativen und die China-Connection als eine engere Verbindung zur Weltmacht Nummer eins ist die beste Alternative zu Riad, die sich denken lässt. Man bedenke dabei auch den kulturellen Hintergrund: Das Zinsverbot im Islam hat seine Bekenner schon immer zu wagemutigen Geschäften angespornt und in der asiatisch-arabischen Kooperation winken so gigantische Profite, dass es für beide Seiten reicht. Spontan fallen mir ein: vom Tourismus über Bildung bis zum Aufbau von Privatkliniken mit Gentherapien, kurzum, Erdgas ist nur der Anfang. Man kann also nicht einmal behaupten, dass Katar dabei etwas verlieren würde.

Ergebnis: China hat die Opec gespalten, ohne dass sein Wirken jemandem auffiel, das ist ein strategisches Meisterstück. Neben dem stärkeren Einfluss auf Katar selbst hat das noch eine weitere Bedeutung: Wenn man die Opec schwächt, entsteht ein Machtvakuum und das wird China ausfüllen. Auf der einen Seite über Pakistan und den Iran zum Golf kommend, auf der anderen von Ostafrika über Ägypten – man sehe sich die dortigen chinesischen Investitionen an – bis zum Roten Meer, ist man in der idealen Position, um die Arabische Halbinsel in die Zange zu nehmen.

HALT!, ruft da der triumphierende Kritiker, ich habe den Gegenbeweis, denn der Iran ist ja noch in der Opec. Wenn du recht hättest, Klaus Gieg, müssten die Mullahs doch schon längst ausgetreten sein! Hehe, erwischt!

Du armer, armer Kritiker.
Wenn der Iran als Erster austreten würde, dann würde jedermann auf chinesische Einflüsse tippen und deswegen hat man Katar den Anfang machen lassen. Von jetzt an wird nämlich bei jedem weiteren Staat, der die Opec verlässt, nur noch mit den Schultern gezuckt und gesagt „na klar, das haben Andere doch auch schon getan“ und niemand wird mehr nach den Hintergründen forschen.
Mit anderen Worten: Kritiker, du bist auf die umfassend durchdachte chinesische Strategie hereingefallen, denn die ist immer auch mit Täuschungsmanövern verbunden. Lies die 36 Strategeme, was du bisher nie getan hast, sieh dir die chinesischen Aktivitäten im Nahen Osten mal etwas genauer an, was du bisher auch nicht getan hast und dann können wir weitersehen.

Ausserdem: Selbst wenn du recht haben solltest und ich mit diesem Text hier völlig falsch läge, was hättest du damit erreicht? Einen Triumph über mich, der ich nur ein kleines Licht bin? Glückwunsch zu diesem Erfolg. Du solltest deine Gehirnkapazität lieber darauf verwenden, über die wichtigen Dinge nachzudenken.

Zum Beispiel darüber, was DU unseren neuen Herren anzubieten hast. 

Freitag, 28. September 2018

Die Mauer im Kopf


„Er war von der Klippe gesprungen und stellte fest, dass er fliegen konnte“ (Pratchett, „Die volle Wahrheit“) oder nüchterner ausgedrückt, sobald man „eingefahrene Gleise“ verlässt, Konventionen überwindet, Grenzen überschreitet, stellt man fest, dass dies nicht zum Weltuntergang führt, sondern dass es dann „nur“ andere Wege gibt, andere Dinge, die man tun kann, von der Gestaltung eines Tages bis zur Gestaltung eines Gemeinwesens.
Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, erzeugen solche Veränderungen einen starken Eindruck und werden als „überraschend“ oder sogar „erschütternd“ beschrieben. Manchmal machen sie Angst und man schaudert zurück, aber unsere unstillbare Neugierde bringt uns selbst nach solchen Vorfällen immer wieder zum Experimentieren, wenn nicht mit der selben Sache, dann mit einer anderen, denn ein Leben ohne Veränderung ist unmöglich.
Diese Neugierde wiederum ist eine Auswirkung des tief im Stammhirn verwurzelten Überlebenstriebs, alles Unbekannte betrachten wir als potenziell gefährlich und deswegen müssen wir es erkunden. Auf diese Weise gelangen wir zu neuen Informationen, die, nachdem das Gehirn sie als „nicht gefährlich“ eingestuft hat, in anderer Weise genutzt werden.

Sogar wenn wir etwas verlieren, wird unsere Existenz danach nicht ärmer, auch wenn es sich so anfühlt, denn das Universum ist so gross und enthält so viele Dinge, dass die Lücke sich von selbst mit etwas Anderem füllt. Es ist zu kurz gegriffen, wenn man in diesem Zusammenhang von „Ersatzhandlungen“ spricht, als ob das Neue niemals so gut sein könnte wie das Alte. Die äusseren Unterschiede zwischen etwa einer verheilten Hautverletzung, die man anschliessend nicht mehr sieht und dem Verlust eines geliebten Menschen, dessen Bild man dann über Jahrzehnte verehrt, liegen lediglich im Intensitätsgrad, mit dem das jeweilige Erlebnis auf unser Gehirn wirkt. Schon jetzt, wo wir Menschen immer noch relativ kurzlebig sind – was bedeuten 80 Jahre gegenüber geologischen Epochen? – kann man mit absoluter Sicherheit sagen, dass jede Wunde verheilt, so lange wir am Leben sind.
Millionen, ja vielleicht Milliarden Male hat sich die rührende Szene abgespielt, dass das überlebende Mitglied einer Partnerschaft sich beim Bild des toten dafür entschuldigt, sich neu verliebt zu haben. Dies ist die eindrücklichste Form eines allgemeinen Musters.

Freilich ist das nicht immer so einfach, wie ich es hier niederschreibe, denn unsere Gefühle hindern uns, dieses Prinzip auch nur zu erkennen, geschweige denn anzuwenden und wenn man von entsprechenden Gehirnfunktionen spricht, so ist „Herzlosigkeit“ noch das Mindeste, was einem vorgeworfen wird.
Man sollte das den Menschen nicht zu sehr ankreiden, denn wir sind nun mal keine Vulkanier und können uns nur selten logisch verhalten. Schon diese Beschreibung hier ist nur möglich, weil uns Heutigen die Erkenntnisse aus mehreren Jahrtausenden des Forschens und Nachdenkens zur Verfügung stehen – und wahrscheinlich auch, weil ich persönlich verrückt danach bin, Bücher zu lesen, in denen diese Erkenntnisse festgehalten sind. 


Noch ein paar Meme

Einige habe ich noch irgendwo auf der Festplatte gefunden :-)